18.05.2012

 

Chief Joseph

 

Hin-Mah-Too-Yah-Lat-Kekt (Donner der zu luftigeren Berghöhen zieht)

Wallowa-Nez Perce

(1840 - 21. September 1904)

 

 

Ihr könnt genauso gut erwarten, dass die Flüsse rückwärts fließen,
als dass ein Mensch, der frei geboren wurde, damit zufrieden ist,
eingepfercht zu leben, ohne die Freiheit, zu gehen, wohin er beliebt.

Chief Joseph

Chief Joseph, eigentlich Hin-Mah-Too-Yah-Lat-Kekt (* 1840; † 21. September 1904) war der Sohn des berühmten Upper Nez Percé-Häuptlings gleichen namens. Die Nez Percé (eigentlich: Neemepo) hatten ihre Heimat in dem Gebiet der heutigen US-Bundesstaaten Washington, Oregon und Idaho.

Im Knabenalter von 10 Jahren trug er den Namen Mia-ats Ta-weet Tueka-Kas = Sohn des Ta-weet Tueka-Kas. Beim Schutzgeistertanz im 11. Lebensjahr informierte er seinen Stamm über seinen neuen Namen Hin-Mah-Too-Yah-Lat-Kekt. Den Weißen wurde er bald als Chief Joseph bekannt.

Die Vorgeschichte lag wie so häufig im Landraub begründet. In dem Fall förderten die Amerikaner einen Nez Percé-Häuptling namens Hallalhotsoot, einfach Lawyer genannt und schlossen anschließend einen Vertrag mit ihm. Obgleich der Mann nur etwa die Hälfte der Nez Percé vertrat, erklärten die Amerikaner den Vertrag als für alle Nez Percé bindend. Schnell wurden Siedler herangeholt und zu deren Schutz Truppen gegen die 'Vertragsverweigerer' eingesetzt (bis 1860).

Chief Josephs Vater Tuekakas, einfach Old Joseph genannt, zählte zunächst bloß zu den 'Nichtunterzeichnern', wurde aber in einem zweiten Vertrag der Amerikaner mit Lawyer 1863 um sein angestammtes Gebiet im Wallowa-Tal gebracht. Als er die Umsiedlung in die neu definierte Reservation (nur noch ein Zehntel der ursprünglichen Nez Percé-Reservation) ablehnte, zählte auch er zu den 'Vertragsverweigerern'. Er starb 1871, bevor er um sein Land kämpfen musste. Als Zeichen seines Unwillens entsagte er dem christlichen Glauben und kehrte zu seiner alten Religion zurück.

Im Alter von 31 Jahren ging nach dem Tod des Vaters Tuekakas (Old Joseph) die Oberhäuptlingswürde an Chief Joseph über. Neben ihm gab es zum Zeitpunkt der bevorstehenden Umsiedlung 1877 noch andere Häuptlinge im Tal: vor allem White Bird, Too-Hul-Hul-Sote und Looking Glass, insgesamt rund 1000 Leute mit über 200 Kriegern. Über Krieg und Frieden bestimmten sowieso die bewährten Krieger, z. B. Chief Josephs jüngerer Bruder Ollokot. Kurz: Das Machtgefüge der Indianergruppe war so kompliziert wie die US-amerikanische Bürokratie, die sich seit Ende 1872 mit ihrer Umsiedlungsfrage beschäftigte. Aber heute steht in erster Linie Chief Joseph im Schlaglicht.Sechs Jahre lang widersetzte er sich gegen die Vertreibung aus seiner Heimat. Im Wallowa Valley kamen Regierungsbeamte, die die Nez Percé aufforderten in die Lapwai-Reservation zu ziehen, wo bereits andere Nez Percé angesiedelt waren. Joseph bat Präsident Grant den Nez Percé ihr Stammesgebiet nicht wegzunehmen. Grant erteilte daraufhin die Anordnung den Wallowa Valley als Siedlungsgebiet für Weiße zu sperren. Weiße Siedler und Goldsucher gingen auf Pferde- und Rinderraub zu den Upper Nez Percé und teilten Washington mit, dass die Nez Percé den Siedlern das Vieh stehlen und damit Unfrieden stiften würden. Jedes Mittel war den Weißen recht, den Nez Percé das Tal abzujagen, da man in ihm Gold gefunden hatte. Als der Präsident von dem vermeintlichen Viehdiebstahl der Upper Nez Percé hörte, gab er 1875 eine neue Order heraus, die nun das Wallowa Valley zur Besiedlung durch Weiße den Weg frei machte.

Zwischendurch gab es immer wieder Verhandlungen zwischen den Indianern und den Unterhändlern der US-Regierung. So auch am 2. Mai 1877. Hier traf sich eine Delegation der Nez Percé unter der Führung von Chief Joseph mit dem einarmigen General Oliver Otis Howard. Mit Joseph kamen die Häuptlinge Looking Glass, sein Bruder Ollokot, White Bird, der Prophet Too-Hul-Hul-Sote und 50 ausgesuchte Krieger, die mindesten 1,80 Meter groß waren. Sie trugen ihre schönsten Gewänder, ritten auf ihren prächtigsten Pferden und hatten außer einer zeremoniellen Tomahawk-Pfeife keine Waffen bei sich. Die zunächst freundliche Atmosphäre änderte sich schnell, als General Howard seine Gesprächspartner ultimativ aufforderte, das Wallowa-Tal sofort zu verlassen und ins Lapwai-Reservat zu ziehen. Ein Unterhändler von Chief Joseph, der Prophet Too-Hul-Hul-Sote, sprang daraufhin wütend auf und sprach:

"Der Große Geist schuf die Welt, wie sie ist und er sie wollte. Einen Teil davon machte er für uns, damit wir in ihm leben können. Ich sehe nicht, woher du die Befugnis nimmst, uns zu sagen, dass wir nicht an den Stellen leben dürfen, die er uns anwies"

Nachdem Howard ihn dazu ermahnte, er solle den Mund halten und ihm drohte, ihn einzusperren, erwiderte Too-Hul-Hul-Sote:

"Wer bist du, dass du uns bittest zu sprechen und dann sagst, dass wir nicht reden dürfen? Bist du der Große Geist? Hast du die Welt erschaffen? Hast du die Sonne erschaffen? Hast du die Flüsse erschaffen, damit wir zu trinken haben? Hast du das Gras wachsen lassen? Hast du alle dies Dinge erschaffen, dass du zu uns sprichst, als ob wir Knaben wären? Wenn du das erschaffen hast, gestehe ich dir das Recht zu, so zu reden, wie du es getan hast."

Nach diesen Worten wurde er dann tatsächlich in das Wachhaus gebracht und dort eingesperrt. Trotz dieser Demütigung war Chief Joseph besonnen genug, die Verhandlungen nicht abzubrechen. Er wollte unter allen Umständen einen Krieg mit den Weißen vermeiden, da er wusste, dass dieser auf lange Sicht nicht gewonnen werden konnte. Widerwillig war er schließlich bereit, seine Heimat aufzugeben und sein Volk in das neue Reservat zu bringen. Howard gab Joseph eine Frist von 30 Tagen in das Lapwai-Reservat umzusiedeln. Den Einspruch des Oberhäuptlings wegen des hohen Wasserstandes des Snake Rivers und der weit verstreuten Herden, die erst zusammen getrieben werden müssten, wies der General zurück. Wenn die Nez Percé den Termin nicht einhalten, würden sie in die Reservation von Soldaten getrieben werden. Zunächst kehrte Chief Joseph jedoch in das Wallowa-Tal zurück, um sich dort mit den anderen Gruppen der Nez Percés zu treffen.

Als sie von der Unterredung mit dem General zurückkamen, befanden sich bereits Soldaten im Wallowa Valley, um den Umzug der Nez Percé in das Lapwai-Schutzgebiet zu beobachten. Mit großer Eile wurden die Frauen und Kinder über den Hochwasser führenden Snake River übergesetzt. Während die Nez Percé einen Teil ihrer Herden über den Fluss brachten und zahlreiche Tiere im reißenden Fluss ertranken, stahlen die Weißen mehrere Rinder von der vorerst zurückgelassenen Herden. Aufgebrachte Häuptlinge verlangten von Joseph ein Palaver im Rocky Canyon. Der freigelassene Prophet, Ollokot und White Bird wollten den Oberhäuptling zum Krieg gegen die Weißen überreden, aber Joseph lehnte ab, da er auch in Zukunft mit dem Stamm in Frieden leben wollte. Von Too-Hul-Hul-Sote aufgehetzte Krieger weigerten sich das Lager zu verlassen. Hier hielten aber einige junge Krieger die Ungerechtigkeiten der Weißen nicht mehr aus. Sie verließen eines Nachts das Lager und griffen benachbarte Siedler an, die sich in dem Tal aufhielten. Sie töteten elf Weiße, um den Viehdiebstahl und die Vertreibung aus ihrem Stammesgebiet zu rächen.

Chief Joseph wusste jetzt, dass der Krieg nicht mehr zu verhindern war. Die Nichtvertrags-Gruppen der Nez Percé zogen sich daher in den Whitebird Canyon zurück, wo sie aber schon bald von General Howards Soldaten entdeckt wurden. Captain Perry und seine Truppe von wenig mehr als 100 Soldaten verfolgten die Nez Percé, um eine günstige Gelegenheit zu bekommen, die Nez Percé auf ihrem Marsch aufzuhalten. Dass sie bereits von den Nez Percé beobachtet wurden, merkten sie nicht. Joseph führte sie am 16. Juni 1877 im Whitebird Canyon in einen Hinterhalt, wo seine Scharfschützen mehrere Soldaten töteten und im Anschluss jagte er seine 500 Pferde über sie hinweg. Die nun auf die Soldaten heranstürmenden Pferde lösten bei Lieutenant Theller und bei weiteren 18 Soldaten Todesangst aus, so dass sie flohen und auf ihrer Flucht leichte Beute der indianischen Scharfschützen wurden. Captain Perry, Lieutenant Parnell und die Truppe suchten Schutz in einer Schlucht, wo sie sich noch drei Stunden gegen angreifende Nez Percé verteidigten. Sie begaben sich dann auf die Flucht nach Mount Idaho, wo ihnen eine Siedlertruppe begegnete, die nun ihrerseits die Indianer vertrieb. Auf ihrem Rückzug fanden die Nez Percé 34 tote Soldaten, denen sie die Waffen und Kleidung abnahmen, aber deren Skalpe nicht anrührten.

Jetzt beschloss Chief Joseph zusammen mit seinen Unterhäuptlingen Looking Glass, White Bird, Hush-Hush-Cute, Ollokot und Too-Hul-Hul-Sote sich nach Kanada abzusetzen, um sich dort mit Sitting Bulls Sioux-Kriegern zu verbünden. General Howard nahm nun die Verfolgung der Nez Percé am 22.06. mit 227 Soldaten aus Fort Lapwai auf. Am Clear Water River nahe Kamia im Bundesstaat Idaho befand sich Looking Glass mit seiner Streitmacht und erwartete die Ankunft der US-Armee. Mit 250 Krieger und 450 Frauen, Kindern und alte Menschen begann nun eine 1600 Kilometer lange Odyssee in Richtung Freiheit. Während ihrer Flucht mussten sie sich immer wieder der überlegenen US-Armee im Kampf stellen. Howards Armee war bis zum 11. Juni auf 700 Mann angewachsen und glaubte einen leichten Sieg zu erringen. Ohne Vorwarnung eröffnete er mit einer Haubitze und zwei Revolvergewehren das Feuer. Die Revolvergewehre schossen zu kurz und die Haubitze schlug weit hinter den Nez Percé im Wald ein. Die Nez Percé brachten ihre Angehörigen und das Vieh in Sicherheit und gingen am Clear River in Stellung.

Das Gefecht dauerte den ganzen Tag. Ohne das die Soldaten die Nez Percé bezwingen konnten, zogen sie sich über den Fluß mit allen Leuten, mit aller Habe und Vorräten zurück. Durch eine strategische Meisterleistung von Oberhäuptling Joseph waren keine schweren Verlusste zu beklagen. In einer Beratung beschlossen die Häuptlinge nach Kanada zu gehen. Howards Truppen hängten die Nez Percé bei der Überquerung der Bitterroot Mountains ab, jedoch Captain Rawn versperrte ihnen mit einer Barriere den Weg durch den Lolo Canyon. Drei Tage der Verhandlung vergingen, da Rawn die Nez Percé bis zum Eintreffen von General Howard und Colonel Gibbon hinhalten wollte. Die Barriere umgingen die Indianer am 28. Juli, kauften den Siedlern gegen Wucherpreise Lebensmittel ab und zogen weiter nach Norden.

Rawn verfolgte die Nez Percé zwar, konnte aber gegen die Nachhut Josephs nichts ausrichten, weshalb er umkehrte. Dank der genialen Kriegsführung von Chief Josephs Unterhäuptlingen, mussten die Armeen der US-Regierung aber eine Niederlage nach der anderen verbuchen. Die Generäle, die ihnen folgten, wurden teilweise bis auf die Knochen blamiert. Chief Joseph verbot seinen Kriegern Skalps zu nehmen, unschuldige Farmer und Familien zu ermorden, und Frauen und Kinder gefangen zu nehmen. Die Kampferfolge und die ritterliche Kampfführung veranlasste die Presse sogar dazu, Chief Joseph als Mythos zu erheben. Die Journalisten forderten: "Man solle ihn doch in Zukunft das Oberkommando der Landstreitkräfte übertragen". Man bezeichnete ihn auch als "Roten Napoleon des Westens".

Da Looking Glass nicht ahnte, dass Colonel Gibbon aus Fort Shaw mit einer Abteilung sich nördlich des Missouri näherte, verlangte er von Joseph eine Rast einzulegen. Der Oberhäuptling stimmte zu gern dieser Bitte zu nachdem sie das Bitterroot-Tal erreicht hatten. Am Morgen des 9. August 1877 umzingelten 170 Infanteristen das Lager am Big Hole River und eröffneten auf Befehl des Colonels das Feuer. Mehrere Salven krachten, bevor die Soldaten das Zeltdorf im Sturm einnehmen wollten. Während die Nez Percé mit aller Kraft ihr Lager gegen die Soldaten verteidigten, brachten einige Krieger unter ihnen auch Joseph die Frauen, Kinder und Alten in Sicherheit. Ihre Tipis wurden dabei ein Opfer der Flammen. Dennoch konnten die Nez Percés den Angriff mit dem Mut der Verzweiflung noch einmal abwehren. White Bird führte die Hauptstreitmacht gegen Gibbons Truppe an und machte als erstes die Kanoniere, die gerade ihr Geschütz in Stellung bringen wollten, unschädlich. Dann beschossen Scharfschützen die Soldaten, wobei eine Kugel Gibbon ins Bein traf, und konnten somit die Verfolger abhängen. 80 Tote hatten die Nez Percé nach diesem Gefecht zu beklagen, darunter zwei Drittel Frauen und Kinder. Die Truppen von Gibbon hatten 30 tote und 40 verwundete Soldaten.

Zuerst zogen die Nez Percé in südliche Richtung, um vermeintliche Verfolger zu täuschen. Außerdem hatten die Nez Percé eine Nachhut zurückgelassen, die Gibbon und seine Leute fast ausgehungert hätten, wenn Howard sie nicht mit einer neu eingetroffenen Kavallerie-Einheit verscheucht hätte. Joseph erhielt Kenntnis von den neuen Verfolgern und konnte ihnen fast alle Pferde und Maultiere, die Proviant und Munition trugen, abnehmen. Den General blieb nichts anderes übrig als am Camas Meadows zu bleiben. Die Nez Percé zogen über den Targhee-Pass zum Yellowstone Park. Auf dem Gebiet der Crow angekommen, baten sie um Beistand, was abgelehnt wurde. Die Crow verständigten stattdessen Colonel Sturgis vom 7. US Kavallerie-Regiment, welches nach der Schlacht am Little Big Horn am 25. Juni 1876 wieder seine volle Stärke von 350 Mann erreicht hatte. Sturgis und seine Truppe konnten zwar die Nez Percé einholen, jedoch gelang den Indianern die Flucht.

Im Yellowstone-Park mussten sie sich aber bei einem zweiten Angriff nach und nach zurückziehen, und am 30. September 1877 ereilte sie dann schließlich doch noch das Schicksal, als sie 48 Kilometer von der Kanadischen Grenze entfernt, von General Nelson A. Miles und seinen Soldaten angegriffen wurden. 280 Soldaten mit Artillerieunterstützung eröffneten am 30. September 1877 im dichten Schneetreiben das Feuer auf das Lager. Die Nez Percé brachten ihre Angehörigen in Sicherheit und 125 Scharfschützen versteckten sich in den Felsklippen bis 115 Kavalleristen auf 20 Schritt herangekommen waren. Nun wurden 29 Infanteristen und 24 Kavalleristen erschossen und 42 Soldaten verwundet. Die Nez Percé verloren drei Frauen und 18 Krieger, unter ihnen Ollokot und der Prophet Too-Hul-Hul-Sote. Dann schossen die Infanteristen mit einer vierpfündigen Haubitze und einer Hotchkiß-Kanone auf die Stellungen der Indianer und waren sich fast sicher den Verlauf des Kampfes für sich zu entscheiden, da aber begannen die Nez Percé Scharfschützen die Esel- und Maultiergespanne zu beschießen. Dabei gab es hohe Verluste unter den Soldaten, so dass sie sich zurückzogen. Nach einer Beratung der Offiziere mit Miles wurde das Gefecht fortgesetzt. Die Nez Percé hoben in der Nacht Schützengräben aus. Am anderen Morgen kam es zu Verhandlungen, wo Miles Joseph zur Kapitulation aufforderte, was der Oberhäuptling ablehnte. Mit Zwölfpfünderkanonen ging es bis zum Abend mit dem Gefecht weiter, jedoch erzielten die Soldaten keinen Bodengewinn.

Miles lud Joseph zu einem weiteren Gespräch ein. Trotz weißer Parlamentärfahne wurde Joseph zwei Tage lang gefangen gehalten. Der General versprach dem Oberhäuptling in seine Heimat zurückkehren zu dürfen, wenn sie die Waffen ablieferten. Doch Joseph lehnte ab. Die Nez Percé nahmen Lieutenant Jerome zum Geisel, den sie gegen ihren Häuptling austauschten. Erneut kam es zum Gefecht bis Miles Kuriere zu Terry in das 100 Meilen entfernte Fort Benton, zu Howard und Sturgis, die weiter südlich sich befanden, schickte. Dabei wurden viele von Chief Josephs Unterhäuptlinge und Krieger getötet. General Howard traf als erster bei Miles ein und zwar am 5. Oktober. Miles forderte den Oberhäuptling nochmals zur Aufgabe auf. Eine Beratung zwischen Joseph, White Bird und Looking Glass kam zu dem Schluss bis zum Tod zu kämpfen, was den Oberhäuptling zum Aufschub der Entscheidung veranlasste. Ein Scharfschütze der Soldaten tötete Looking Glass. Joseph kapitulierte am 6. Oktober 1877. Die darauf folgende Kapitulationsrede von Chief Joseph ist zu einem geschichtlichen Ausspruch geworden:

"Ich bin kampfesmüde. Unsere Häuptlinge sind tot. Es ist kalt, und wir haben keine Decken. Die kleinen Kinder erfrieren. Manche meiner Leute sind in die Berge geflohen und haben keine Decken und nichts zu essen. Niemand weiß, wo sie sind, vielleicht erfrieren sie. Ich brauche Zeit, um nach meinen Kindern zu sehen und zu wissen, wie viele ich von ihnen wieder finde. Möglicherweise werde ich sie unter den Toten finden. Hört mich an, weiße Häuptlinge: Mein Herz ist krank und betrübt. Vom augenblicklichen Stand der Sonne an gelobe ich, ich kämpfe niemals wieder."

Nach dieser Rede konnten White Bird und weitere Krieger doch noch in der Dunkelheit zu Sitting Bull fliehen und die Grenze nach Kanada überqueren. Sie fürchteten, dass sie schwer bestraft, oder sogar zum Tode verurteilt würden. Joseph jedoch blieb in der Annahme, er und sein Volk könnten in ihr Land im Nordwesten zurück. Der Oberhäuptling und die anderen Nez Percé kamen in Gefangenschaft. Vom Tonque River in Montana kamen sie nach Bismarck in North Dakota und von dort nach Fort Leavenworth. Man transportierte sie schlimmer als Vieh. Nach einem weiteren halben Jahr ging es nach Baxter Springs in Kansas und von dort verlegte man sie am 21. Juli 1878 ins Indianerterritorium Oklahoma.

Von hier aus setzte Chief Joseph sich mit Hilfe von Menschenrechtlern aus dem Osten und den Mittleren Westen für die Rechte der Nez Percés ein. Im Jahre 1879 besuchte er sogar den amerikanischen Präsidenten Hayes und trug ihm sein Anliegen persönlich vor. Aber erst 1885 konnten Joseph und sein Volk nach einer massiven Kampagne der Menschenrechtler in den Nordwesten zurückkehren. Doch in Idaho hielten die Siedler und Politiker die 150 überlebenden Nez Percé noch immer für "gefährliche Unruhestifter", "Verbrecher" und "Mörder" und drohten Chief Joseph sogar mit dem Tod. Da seine Gruppe sich weder den anderen Nez Percé in der Reservation in Idaho anschließen noch in ihre Heimat im Wallowa Valley, Oregon, zurückkehren durfte, wurde sie mit Militärbegleitung zur Colville-Reservation im Washington Territory gebracht, wo sie unter Indianern leben mussten, die keine Nez Percé waren.

Dort starb Chief Joseph am 21. November 1904 an "gebrochenem Herzen", so schrieb es der Arzt in den Totenschein. Die Nachfahren seiner Gruppe leben dort noch heute, noch immer im Exil, ganz in der Nähe seiner Grabstätte.

Richter C. C. Goodwin schrieb nach Josephs Ableben:

"Kein Sohn des Nordwestens war tapferer als er, keiner war treuer zu seiner Heimat als er, und keiner hielt sich auch in drohender Gefahr mehr in der Gewalt als er."


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