Die Geschichte und der Ursprung der Indianer

Die ersten europäischen Siedler

Als die ersten europäischen Siedler vor mehr als dreihundert Jahren nordamerikanischen Boden betraten, begegneten sie überall hoch gewachsenen, schwarzhaarigen Menschen mit brauner Hautfarbe und vorstehenden Backenknochen. Es war eine gastfreundliche, hilfreiche Urbevölkerung, die den Weißen, die meist völlig erschöpft von der langen Seereise ankamen, bereitwillig ihr Land zur Verfügung stellte und ihnen oft noch mit ihren eigenen Vorräten über die ersten schweren Jahre hinweghalf. Ohne ihre Unterstützung hätte sich keine dieser Einwanderergruppen in der Wildnis halten können. Sie wären wahrscheinlich verhungert.

Der Dank der Kolonisten, die in immer größeren Scharen übers Meer kamen, war die fast vollständige Ausrottung dieser Ureinwohner.

Der Kampf ums Land

Von den zahlreichen großen Stämmen, die einst die ganze Ostküste bewohnten, ist nicht viel mehr geblieben als die Namen. Was schon Kolumbus begonnen hatte, wurde in den folgenden Jahrhunderten planmäßig fortgesetzt und fand erst 1890 seinen blutigen Abschluss. Die Indianer wurden von Soldaten oder der Grenzbevölkerung niedergemetzelt, mit Bluthunden gehetzt, durch hinterhältig abgefasste Verträge um ihr Land gebracht oder gegeneinander aufgestachelt. Von schätzungsweise einst 45 Millionen sind nur 18 Millionen übrig geblieben, in den USA sogar nur gut eine halbe Million.

Die Reste der einst so mächtigen Stämme stellen heute eine zahlenmäßig geringe Minderheit der nordamerikanischen Bevölkerung dar und fristen in den Reservationen ein ziemlich bescheidenes Dasein. Die Völker Europas haben von der Neuen Welt endgültig Besitz ergriffen.

Auf die Plätze - fertig los! Die Stämme suchen Quartier

Doch die Weißen waren nicht die ersten, die das taten. Amerika ist immer ein Erdteil der Einwanderer gewesen. Die Indianer, ein Zweig der mongolischen Rasse, kamen vermutlich vor über 20 000 Jahren aus Sibirien herüber. In mehreren Wellen stießen sie von Alaska aus nach Süden vor.

Die große Völkerfamilie der Sioux z. B. ließ sich zunächst im Gebiet der großen Seen nieder. Aber schon bald wurde sie von den nachrückenden Algonkin in die Steppen des Westens abgedrängt. Als die Bleichgesichter kamen, gehörte fast das ganze endlose Urwaldgebiet zwischen der Ostküste und dem Mississippi, der Hudsonbai und dem Tennessefluss den Algonkin. Um den wachsenden Druck aus dem Osten auszuweichen, überquerten später einige Stämme, wie die Cheyenne und Arapahoe den „Vater der Flüsse“ und schlugen ihre Hütten am Rande des Felsengebirges auf, in unmittelbarer Nachbarschaft der Sioux. Scha-hi-yena (Cheyenne) ist ein Siouxwort und bedeutet 'Volk einer anderen Sprache'.

Der Bund der Fünf Nationen

Aber nicht nur die Europäer haben den Algonkin zu schaffen gemacht. Mitten in ihrem ungeheuren Machtbereich saßen schon lange vorher als schmerzende Fremdkörper die Irokesen. Wie ein gewaltiger Keil hatten sie sich zwischen die Masse der feindlichen Stämme geschoben. Um sich dort zu behaupten schlossen sie um 1570 den berühmten Bund der „Fünf Nationen“. Durch ihre unerhörte Grausamkeit und ihre unglaublich wagemutigen Kriegszüge hielten sie den ganzen Osten des Kontinents in Atem und wurden überall gehasst und gefürchtet. Im Kolonialkrieg zwischen England und Frankreich um 1750 haben die "Fünf Nationen" entscheidend zum Siege Englands beigetragen.

Die kriegerischen Apachen und Irokesen

In einer ähnlichen Lage befanden sich die Apachen. Sie hatten sich von ihren Verwandten im Norden Kanadas und in Alaska, den Athabasken, getrennt und allein nach Süden durchgeschlagen. Durch die jahrhundertlangen Kämpfe mit den Nachbarstämmen, die in ihnen Eindringlinge und Räuber sahen, waren sie hart und grausam geworden. Sie hatten gelernt niemals aufzugeben. Den amerikanischen Truppen leisteten sie bis 1886 zähesten Widerstand.

Unter den nordamerikanischen Indianern stellen die Irokesen und Apachen allerdings Einzelfälle dar, und nichts wäre falscher als zu glauben, Urwälder und Prärien hätten nur so gewimmelt von blutrünstigen Kriegerbanden, die ihre Gefangenen marterten und triefende Skalps an ihre Gürtel hefteten. Gefangene wurden gewöhnlich in den Stamm aufgenommen. Folterungen waren die Ausnahmen. Wenn später Weiße den Tod am Marterpfahl starben, so hatten sie das meist ihrer eigenen Rücksichtslosigkeit und Brutalität zu zuschreiben. Die Sitte des Skalpierens war ursprünglich nur wenigen Stämmen im Osten bekannt. Die Europäer waren es, welche diese über den ganzen Kontinent verbreiteten, denn für jeden Indianerskalp zahlten die Behörden eine Belohnung!

Die Ausweitung der Jagdgründe

Sowohl die Algonkin und Muskhogee als auch die Sioux waren im Grunde friedliche Leute, die von der Bodenbebauung lebten, fischten, Antilopen, Elche, Hirsche und Biber jagten. Sie waren froh wenn sie ihre Ruhe hatten. Auf ihren Feldern wuchsen Kürbisse, Bohnen, Sonnenblumen und vor allem Mais. Auch Tabak wurde angebaut. Die Stämme des Nordwestens ernährten sich hauptsächlich vom Lachs, aber auch von Walen und Robben. Die Prärieindianer jagten mitunter Büffel.

Erst um 1700, als genügend Pferde vorhanden waren, gingen einige Stämme, besonders die Tetondakota, Crow, Cheyenne und Comanche zum reinen Nomadenleben über und ernährten sich ausschließlich vom Büffel. Durch die Pferde war es möglich geworden den wandernden Herden über weite Strecken zu folgen. Das ständige Wechseln der Jagdgründe machte sie später zu unberechenbaren und gefährlichen Feinden. Sie wohnten in kegelförmigen Stangenzelten, den Tipis – nur die Rindenhütten der Waldindianer heißen Wigwam -, die in minutenschnelle auf- und abgebaut werden konnten. So stießen die Truppen oft genug ins Leere.

Der Fluch des Feuerwassers

Aber es gab noch andere Mittel um diese Stämme in die Knie zu zwingen. In den Jahrzehnten nach 1850 wurden die fünf Millionen Büffel der nordamerikanischen Prärie von den Weißen fast vollständig ausgerottet und tausende von Mustangs, die den Soldaten in die Hände fielen, erschossen. Dies brachte die Rothäute schließlich an den Rand des Untergangs.

Alle Indianer lebten, bevor die Weißen kamen, in der Steinzeit. Sie liebten sportliche Wettkämpfe, Tanz und Musik. Sie konnten Feste feiern und ohne berauschende Getränke fröhlich sein. Ihren Durst löschten sie mit Wasser. Umso schrecklicher war später die Wirkung des Alkohols. Das „Feuerwasser“, ein Gemisch aus billigem Spiritus, rotem Pfeffer, zerriebenem Tabak und Wasser, wurde ihnen für teure Biberpelze verkauft und richtete sie seelisch und moralisch zugrunde. Mancher Weiße ist dafür reich geworden.

Das Unverständnis zwischen Natur und Zivilisation

Die Völker der westlichen Welt waren sicher nicht das, was die Europäer zivilisiert nennen. Dennoch waren sie den weißen Einwanderern sittlich oft überlegen. Es waren immer wieder die Weißen, welche die Verträge brachen, und Gastfreundschaft und Ehrlichkeit mit Mord und Hinterlist vergalten. In ihren Augen waren diese Menschen Wilde; und für die Puritaner speziell waren sie Heiden und Ungläubige, die ausgerottet werden mussten.

Aber die Indianer lebten in großer Ehrfurcht vor der Natur und dem Schöpfer. Man tut den Medizinmännern Unrecht, wenn man in ihnen nur gerissene Scharlatane, Regenmacher und Zauberer sieht, die mit Rasseln und gräulichen Masken herum sprangen. Sie wachten vielmehr über die Erziehung der Jugend, die Aufrechterhaltung von Sitte und Anstand. Sie zeichneten die Geschichte des Stammes auf, sorgten für die Beachtung der religiösen Vorschriften. Oft besaßen sie hypnotische Kräfte und konnten es auf dem Gebiet der Naturheilkunde mitunter mit europäischen Ärzten aufnehmen.

Die Welt der Bleichgesichter blieb den Eingeborenen Amerikas immer unverständlich und unheimlich. Der Gegensatz war zu groß. Dennoch wurde er erst voll spürbar, als die Kriege der Europäer untereinander beendet waren. Frankreich und England wurden geschlagen, die „Vereinigten Staaten“ erklärten sich für selbständig (1776) und erst jetzt konnten die 'Amerikaner' mit allen Kräften an die Eroberung des Westens gehen.

Die Verzweiflung der Indianer

Unaufhaltsam wurden nun die Reste der Algonkin, Irokesen und Muskhogee von der Flut der weißen Siedler über den Mississippi gedrängt. Vergessen war die alte Waffenbrüderschaft. Bald fuhren die Bleichgesichter quer durch den ganzen Kontinent nach Oregon, nach Kalifornien und nach Santa Fé. Schon wurden mitten in der Prärie militärische Stützpunkte errichtet, da brach der Bürgerkrieg aus. Noch ein letztes mal konnten die Indianer aufatmen. Nach dem Sieg des Nordens 1865 aber wurde ihre Lage verzweifelt. Ein gewaltiges Kesseltreiben begann.

Führer in dem nun einsetzenden Freiheitskampf der Indianer waren die Dakota, besonders die sieben Stämme der Teton und im Südosten die Apachen. Was die Häuptlinge Red Cloud, Crazy Horse, Sitting Bull und Geronimo vor allen anderen auszeichnet, ist die unerhörte Verbissenheit und der unbeugsame Starrsinn mit dem sie für eine praktisch aussichtslose Sache kämpften.

Während Pontiac und Tecumseh sich noch schwache Hoffnungen auf ein Gelingen ihrer Pläne machen durften, da das Kräfteverhältnis noch bedeutend ausgeglichener war, bestand hier, was den Indianern freilich nicht klar war, keine Hoffnung mehr. Nie vorher war die ganze erschütternde Tragik des indianischen Widerstandes so klar zum Ausdruck gekommen. Und nie vorher hatte der Krieg gegen die Rothäute den Weißen so wenig zum Ruhm gereicht.

Endlich ist auch von den drei Jahrhunderten europäisch-indianischer Auseinandersetzungen keines so verfälscht und entstellt worden wie das neunzehnte. Denn jetzt waren die Amerikaner eine Nation und man konnte die Schuld an verübten Gräueltaten nicht mehr den Engländern oder Franzosen in die Schuhe schieben.

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