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Huronen
| Geographische Region: |
Nordosten (nordöstlich vom Huron-See) |
| Sprachgruppe: |
Irokesisch |
| Wohnstätte: |
Langhaus |
| Hauptnahrungsquellen: |
Mais |

Die Huronen (Eigenbezeichnung war Wyandot), sind ein ehemals mächtiges Indianervolk Nordamerikas. Der Name Wyandot (oder Wendat) ist ein irokesisches Wort und bezeichnet das "Volk von der Halbinsel". Sie waren ein mächtiger Volksstamm der Irokesen-Sprachfamilie, dessen Stämme eine Konföderation aus vier großen und mehreren kleinen Stämmen und somit einen starken Bund bildeten. Die Huronenkonföderation war vermutlich das Vorbild der späteren Irokesenkonföderation. Bereits um 1400 schlossen die Attignawantan und die Attigneenongnahac eine Allianz. Später schlossen sich die Arendahronon (um 1560) und die Tahonaenrat (um 1570) der Konföderation an. Die größte dieser Ethnien, die Attignawantan, dominierten traditionell über die anderen Mitglieder. Zweck des Zusammenschlusses war es, kriegerische Auseinandersetzungen unter den einzelnen Gruppen zu verhindern. Der Name Huronen geht auf eine französische Bezeichnung zurück (Mittelkamm des Wildschweinschädels "La Hure"). Ursprünglich lebte der Stamm auf der Halbinsel im südlichen Ontario, östlich des Huron-Sees, im Staat Ontario, zwischen der Georgia-Bucht und dem Simcoe-See. Ihre Heimat lag am St. Lawrence-Strom und in Ontario, zwischen dem Huron- und dem Erie-See. Ihre Bevölkerungszahl wurde 1615, bei der Ankunft der Franzosen unter Samuel de Champlain, von ihm auf etwa 20.000 bis 30.000 geschätzt. Er nannte sie Huronen, was soviel wie "borstenhaarige Rüpel" bedeutet. Die ersten Wyandot-Gruppen dieser Region waren dort wohl schon im 14. Jahrhundert angekommen. Ursprünglich gehörten sie zu den Irokesen, trennten sich aber von diesen und verbündeten sich mit Algonkin-Völkern. Wie die Irokesen lebten sie in Langhäusern und trieben Landwirtschaft. Bei Ankunft der Franzosen erlangten sie eine beherrschende Stellung im Fellhandel, was zum Konflikt mit den mit England verbündeten Irokesen führte. Da sie Freund der Franzosen und Chippewa waren, traten sie als Zwischenhändler auf. Sie verschafften den Franzosen die kostbaren Pelze des von den Chippewa erlegten Wildes und diesen wiederum europäische Waffen und Waren.

Im frühen 17. Jahrhundert, als die ersten französischen Siedler und Missionare in diese Gegend vordrangen, befanden sich die Huronen auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Etwa 20 000 Huronen lebten in etwa 25 Dörfern an der Georgian Bay, einem Arm des Huronsees. Die Huronen hatten in einem Dorf ein Versammlungszentrum eingerichtet; jedes Dorf entsandte Abgesandte, die dann gemeinsam über Fragen von Krieg und Frieden sowie den Handel mit anderen Ethnien oder den Europäern entschieden. Berühmt wurden sie durch ihren Tabakanbau. Neben Tabak pflanzten sie auch Bohnen, Melonen, Sonnenblumen und Mais an. Fischfang und Landwirtschaft waren ihre wichtigsten Nahrungsquellen. Sie gingen auf die Jagd und verkauften Felle an die Franzosen. Die Kultur der Huronen ähnelte der Kultur der Irokesen, ihren nächsten Nachbarn. Die Huronen teilten sich in Sippen, die unter einem der 8 Totems standen, die nach Tieren benannt wurden. Diese Tiertotems waren Schildkröte, Wolf, Bär, Biber, Hirsch, Falke, Stachelschwein und Schlange. Die Huronen lebten gemeinsam in großen Häusern, die als Gemeinschaftsunterkunft für mehrere Familien dienten. Die äußeren Grenzen der Dörfer wurden durch Pfahlzäune befestigt. Die meisten der Huronensiedlungen bestanden aus großen Langhäusern, die als Gemeinschaftsunterkünfte dienten. Sie waren zwischen 45 und 55 Meter lang und aus stabilen Holzgerüsten gebaut. Die größeren dieser Siedlungen, in denen mehr als 1 000 Menschen lebten, waren zu Festungen ausgebaut. Nach Ansicht der Archäologen kamen sie in das oben genannte Gebiet nach dem Rückgang der Gletscher und entwickelten sich langsam von Jägern und Sammlern zu Bauern und Jägern. Nach ihrer eigenen Überlieferung sollen sie später von Südosten eingewandert sein. Ab 500 n. Chr. bauten sie jedenfalls Mais an. Zuvor war schon der Tabak eingeführt worden, für dessen Aufzucht und Ernte die Männer zuständig waren, während die Frauen die Maisfelder betreuten.

1615 drang Samuel de Champlain als erster Europäer zu den Wyandot vor. Den Entdeckern folgte eine kleine Gruppe von französischen Missionaren, die 1639 beim heutigen Midland im Namen der französischen Krone mit der Errichtung von Jesuitenmissionen in den Dörfern begannen. Ihr Ziel war es, die „Heiden“ zum Christentum zu bekehren, doch sie brachten ihnen vor allem den Tod durch Masern, Blattern und Grippeviren. Gegen solche Krankheiten hatten die Indianer keine Abwehrstoffe und ihre Heiler keine Medizin. Zwischen 1634 und 1640 schrumpfte die Bevölkerungszahl durch Pockenepidemien und andere Krankheiten auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe. Die überlebenden Indianer waren gespalten in Traditionalisten, die am liebsten die Schwarzröcke vertrieben hätten und solche, die von den Errungenschaften durch die Neuankömmlinge begeistert waren und gerne Pelze gegen Eisenwerkzeuge tauschten, um sich ihre Arbeit zu erleichtern. Doch 1615 begann das große Drama der Huronen-Stämme. Die Irokesen-Liga der Fünf Nationen war inzwischen anmaßend und stolz geworden. Sie duldeten nicht einmal mehr unter ihren Stammesverwandten Rivalen. Eine Zeitlang waren die Huronen imstande ihre Stammesgebiete zu behaupten und hart zurückzuschlagen. Doch die Irokesen der Fünf Nationen unterwarfen indes immer neue Algonkin-Stämme, die sie zur Stellung von Hilfstruppen verpflichteten. Dadurch vergrößerten sie ständig ihre Schlagkraft und konnten sich Siege ohne Rücksicht auf Verluste leisten, denn die Algonkin-Krieger mussten in den vordersten Reihen der Front kämpfen. Als die weißen Siedler von der Ostküste her die Stämme des Irokesenbundes immer weiter nach Westen verdrängten, kamen sie natürlich in Konflikt mit den Wyandot. Zwischen den Stämmen, die beide Irokesisch sprachen, entstand eine erbitterte Rivalität über die Kontrolle des Fellhandels in der oberen Region der Großen Seen.
Als die holländischen Händler den Hudson River heraufkamen und Feuerwaffen und Schießbedarf brachten, änderte sich das Kräfteverhältnis schlagartig zugunsten der Irokesen. Bereits 1643 waren sie so gut ausgerüstet, dass sie mehr als 400 Gewehrschützen aufbieten konnten. Die Huronen hingegen waren durch ihren Umzug zu weit von den französischen Händlern entfernt, als dass sie sich weitere Gewehre und vor allem Pulver und Blei besorgen hätten können. Gezwungenermaßen mussten sie sich nun gegen ihre grausamen Feinde mit Pfeil und Bogen zur Wehr setzen, denn die Fünf Nationen hatten sich entschlossen die Huronen trotz des Friedensvertrages mit allen Mitteln auszurotten. Ihr Hass gegen die Huronen war übermächtig
Im Juli 1648 griffen die Irokesen und ihre Vasallen das Huronenland von Süden her an. Als erstes fiel das mit Palisaden umzäunte Grenzdorf Teanaustayae, dessen gesamte Einwohner niedergemetzelt wurden. So erging es einem Dorf nach dem anderen. Wenn je Gefangene in ihre Hände fielen, dann wurden sie zu Tode gemartert

Im März 1649 hatten die Fünf Nationen und ihre Vasallenvölker über 10 000 Huronen getötet. Aber dieser Sieg genügte den Irokesen noch immer nicht. Ein weiteres Jahrhundert machten sie erbarmungslos Jagd auf die traurigen Überreste des einstmals so mächtigen Volksstammes, die nach Michigan oder anderen Staaten geflohen waren. Sobald die Krieger der Fünf Nationen nur vom Aufenthaltsort eines Huronen hörten, lechzten sie nach dessen Blut und gaben keine Ruhe, bis sie ihn getötet hatten. In einer Entscheidungsschlacht 1649 wurden die Wyandot von den stärkeren Irokesen fast völlig vernichtet. Die Überlebenden mussten ihr Gebiet verlassen und siedelten sich im heutigen US-Bundesstaat Ohio an.
Einige Flüchtlinge der Huronen entkamen in das Quellgebiet des Michigan-Sees. Bald darauf mussten sie sich erneut vor dem Zugriff der Fünf Nationen in Wisconsin verstecken. Hier schlossen sich ihnen andere Flüchtlinge vom Stamm der Tobacco, die von den Irokesen im Dezember 1649 nahezu ausgerottet worden waren, und des Erie-Stammes, der 1656 von den Fünf Nationen vernichtet wurde, an. Gemeinsam fanden sie vorübergehend eine Unterkunft bei den Algonkin-Stämmen vonn Wisconsin, wo sie sich auch bald verstecken und schon wieder fliehen mussten. Schließlich zogen sie nach Indiana und Michigan und stellten sich dort unter den Schutz der dort lebenden Ottawa und des mächtigen Algonkin-Bundes des Mittellandes, die ausreichend mit Gewehren ausgerüstet waren, so dass sie den Fünf Nationen erfolgreich Widerstand leisten konnten.
Die überlebenden Huronen, Erie und Tobacco gründeten einen neuen Stamm, der sich Wyandot nannte. Dieser neu gegründete Stamm vermehrte sich im Laufe von 150 Jahren so sehr, dass er in der Schlacht bei Fallen Timbers und in den Grenzkämpfen mit den Siedlern am Ohio und in Kentucky bereits eine führende Stellung innehatte. Andere flüchtige Huronen erreichten Quebec, Kanada, wo ihre Nachkommen heute noch in der Stadt Lorette leben. 1842 verkauften die Wyandot ihr Land und gingen nach Kansas. 1867 wurden sie gezwungen, in ein Reservat zu ziehen, wo sie noch heute leben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zählte man etwa 1 250 Wyandot. Heute gibt es um die 2 000 Menschen, die zumindest Wyandot-Vorfahren haben. Die Nachfahren des Stammes überlebten bis heute als Huronen von Lorette in Quebec und als Wyandot-Stamm in Oklahoma.
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