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Mandan
| Geographische Region: |
Plains und Prärien (Missouri-Fluss, Kernregion North Dakota) |
| Sprachgruppe: |
Sioux |
| Wohnstätte: |
große runde Erdhütten |
| Hauptnahrungsquellen: |
Jagd, Mais, Kürbisse |
Die Mandan sind ein kleines ursprünglich halbnomadisches indigenes Volk Nordamerikas aus dem Kulturkreis der Plains, die zur Sprachfamilie der Sioux gehören. Selber nannten sie sich „Volk der Fasanen“. Sie stammten aus dem Ohio-Gebiet, aus dem sie bereits vor der Ankunft der Europäer von anderen Gruppen vertrieben wurden. Anders als die meisten Stämme der großen Ebenen waren die Mandan im oberen Tal des Missouri sesshaft. Die Mandan waren kein kriegerisches Volk, sonder sehr höflich und gastfreundlich. Selten oder nie machten Sie Einfälle in ein feindliches Land. Wurden Sie aber angegriffen, so standen an Tapferkeit keinem anderen Volk nach.

Die Mandan lebten in Erdhäusern in befestigten Dörfern und betrieben Landwirtschaft (u. a. Mais, Bohnen). Diese Siedlungen waren am unteren Flusslauf des Missouri verstreut. Es gab etwa 13 Mandandörfer, die aus ca. 60 Hütten bestanden. Der Hauptort hieß „Mih-Tutta-Hangkusch“. Die halbkugelige Form der Häuser erinnert von weitem an Wigwams, sind aber größer und stabiler gebaut. Über dem etwas ausgetieften Boden trug ein starkes Pfostengerüst Dachsparren, die zugleich Dach und Wand bildeten. Darüber waren Lagen von Zweigen, Gras, Rasenplatten und Erde gedeckt. Durch eine Öffnung im Dach fiel das Licht ins Innere. Slant Village in North Dakota zeigt aus der Zeit am Ende des 18. Jahrhunderts Spuren von 75 Hütten, darunter ein Zeremonienzentrum von fast zehn Meter Durchmesser. Auch durch ihre Töpferarbeiten unterschieden sich die Mandan von den anderen Stämmen. Sie sind in Künsten Und Handwerk weiter fortgeschritten und haben ihre Hütten mit mehr Bequemlichkeiten ausgestattet als ein anderes Volk.
Sie waren mit den Hidatsa und Arikara verbündet. Die Sozialordnung wurde von Altersklassen, Krieger- und Geheimbünden und totemistischen Gruppen geprägt. Ein prächtig gekleideter Kriegshäuptling sorgte unter den Indianern für Zucht und Ordnung. Er gehörte zur „Gesellschaft der Hunde“, die bei einigen Stämmen eine Art Polizeifunktion ausübte und dafür sorgte, dass die Jagdbeute gleichmäßig verteilt wurde und kein Jäger eigenmächtig den Jagdplan verdarb. Wenn das dennoch vorkam wurde der Betreffende ausgepeitscht oder seine Habe verbrannt. Die toten Mandan wurden nicht begraben, sondern auf leichte Gerüste gelegt. Diese waren so hoch, dass weder Menschen noch Wölfe die Körper erreichen konnten. Dort wurden die Leichen der Verwesung überlassen.

Das kulturelle Bewusstsein der Mandan war und ist auch heute noch sehr stark ausgeprägt. Die wichtigste Zeremonie war das „O-kee-pa“. Während die so genannten Sonnentanz-Zeremonien der anderen Plains-Stämme sich um Fruchtbarkeit und die Sonne drehten, sollte das O-kee-pa die Wassergeister versöhnen, weil die Mandan glaubten , die ganze Erde sei mit Wasser bedeckt gewesen. Wie die meisten anderen Stämme führten die Mandan auch Tänze zu Ehren des Bisons auf. Das komplizierte O-kee-pa-Ritual endete mit einem qualvollen Höhepunkt, wenn junge Männer den Geistern in einer schweren Prüfung ihr eigenes Fleisch opferten. Beim festlichen Ritual des O-kee-pa stellten Stammesangehörige Tiergeister dar, um deren Gunst sie warben. Der Schlangengeist brachte Regen und der Biber – manchmal auch „kleiner Bison“ genannt – verkörperte Nahrung. Andere Mandan-Tänzer, deren Körperbemalung Nacht und Tag symbolisieren sollte, erinnerten durch dieses Motiv an den Stammesmythus, nach dem vor langer Zeit die Erde geboren und die Dunkelheit durch das Licht verdrängt wurde. Bei dem O-kee-pa-Folterritual hingen zwei junge Männer an Lederriemen, die an unter ihrer Haut steckenden Holzpflöcken befestigt waren. An ihren Beinen hängende Bisonschädel machten sie schwerer, während ältere Krieger sie mit Lanzen anstießen.

Bei dieser grausigen Mutprobe wurden die meisten Männer innerhalb von 20 Minuten bewusstlos. Sobald sie das Bewusstsein wiedererlangt hatten schleppten sie sich zu dem maskierten Krieger, der ihnen einen oder zwei Finger abhackte. Die verstümmelten jungen Männer mussten sich dann noch einer letzten Prüfung unterziehen und vor der Medizinhütte in eine kreisförmige Arena laufen. Die meisten Initianden brachen zusammen und mussten geschleift werden, während die Riemen an denen die Bisonschädel hingen, das Fleisch aus ihren Beinen rissen. Die Zuschauer beobachteten dieses Ritual aufmerksam, denn die Männer, die die Schmerzen am besten ertragen konnten waren die zukünftigen Stammesführer. Nach der Überlieferung hat der „Einsame Mann“ (Schöpfer der Erde) die Zeremonien eingesetzt. Seit 1980 wurde sie wieder durchgeführt, was auch eine Wiederbelebung des kulturellen Bewusstseins des Stammes mit sich brachte. In neuer Zeit haben die Mandanen erfolgreich vor Gerichten auf Herausgabe von Stammesheiligtümern (z. B. des Stammes-Medizinbündels) geklagt.

Theorien, nach denen sich unter den Mandan auch europäischstämmige Indianer befänden (Abkömmlinge des walisischen Kolonisten Madoc des 12. Jahrhundert), welche Walisisch sprachen, machten die Mandan zu einem der meiststudierten Indianerstämme des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. So widmeten sich zum Beispiel unter anderem John Evans, George Catlin, George Rogers Clark, William Clark und Meriwether Lewis dem Stamm. Andere Historiker vermuteten unter den Mandan Abkömmlinge früher Vinland-Fahrten der Wikinger. Diese Theorien beeinflussten vermutlich auch den Gründer der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ("Mormonen"), Joseph Smith, der einen Bericht über frühe jüdisch-christliche Einwanderer nach Amerika gefunden haben wollte, das Buch Mormon.
Der erste Kontakt mit den Weißen datiert von 1738 als die Europäer an der Mündung des Heart River am unteren Missouri erstmals auf den Stamm stiessen. 1804 wurden sie von Lewis und Clark, 1833 von George Catlin besucht, der in seinen Gemälden vieles, was wir von den Mandan wissen, festgehalten hat. Auch Prinz Maximilian zu Wied und der schweizer Maler Karl Bodmer verbrachten 1832 bis 1834 bei ihrer "Reise in das Innere Nordamerika" mehrere Monate bei den Mandan. Die Reisetagebücher des Prinzen zu Wied und die Brillianz und Detailgenauigkeit der Aquarelle und Portraits von Karl Bodmer legen noch heute Zeugnis von der Kultur und vom Leben der Mandan ab. Mit Häuptling Mato Tope (Four Bears) verband Prinz Maximilian zu Wied eine besonders freundschaftliche Beziehung.
Ihre Zahl wurde 1800 auf 3 600 geschätzt. Eine Pockenepidemie im Jahr 1837 dezimierte die Mandan von mehr als 1800 auf weniger als 150 Personen (rund: 23 Männer, 40 Frauen und 65 Kinder). Auch Mato Tope und seine Familie fanden während dieser verheerenden Epidemie den Tod. 1970 lebten im Fort Berthold-Reservat in North Dakota 705 Mandan zusammen mit Arikara und Hidatsa.
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