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Nez Perce
| Geographische Region: |
Großes Becken und Plateau, Gebiet mit Bergen, Tälern, Hochebenen und Prärien (Idaho, Oregon, Washington) |
| Sprachgruppe: |
Sahaptin (Penuti) |
| Wohnstätte: |
Rinden-, Matten-, Fellhütte, Tipi |
| Hauptnahrungsquellen: |
Großwild (Büffel) Fisch (Lachs) Wurzeln |

Nez Perce (französisch: durchstochene Nase) sind ein nordamerikanische Volksstamm der Penuti-Familie, die der Sahaptin-Sprachfamilie zugerechnet wird. Ihr Stammesgebiet war ein weites Gebiet, welches aus Bergen, Tälern, Hochebenen und Prärien bestand und sich über das südöstliche Washington, südwestliche Montana bis in das nordöstliche Oregon und Zentral-Idaho ausdehnte. Die mächtigen Gebirge, Schluchten und mit Gras bewachsenen Ebenen des Hochplateaus, waren die Heimat der Nee Me Poo. Ihren Namen, Nez Percé, verdanken sie frankokanadischen Pelzjägern, die damit auf die Stammessitte, Nasenringe zu tragen, anspielten. Als die Franzosen sie zum ersten Mal erblickten, trugen viele von ihnen in durchstochenen Nasenflügeln Schmuckanhänger, vorwiegend aus Knochen, Muschel oder Metall (Gold oder Silber). Sie nannten sich selbst Nimipu, Kaminu oder Tsutpeli. Der Stamm hieß ursprünglich Sahaptin und wurde erst von den Franzosen Nez Percé getauft. Die Nez Percé jagten Großwild, Elk und Wapiti besonders der Büffel war ihre Haupternährungsquelle. Doch sie fischten auch den Lachs ernährten sich von Beeren und Wurzeln: Carum, wilde Karotten, Bitterwurzel (Bitterroot), Konsewurzel und anderen. Die Hauptnahrung war die Camaswurzel die in großen Mengen in Gruben geröstet wurde.
Der Stamm lebte lange in Frieden mit den Weißen, unterhielt zu ihnen gewöhnlich gute Beziehungen und hatte immer freundschaftlichen Umgang mit den Amerikanern gepflegt. Die ersten Kontakte kamen mit den Franzosen, die sie ja Nez Percé nannten und schließlich mit den Amerikanern zustande, als Lewis und Clark den Stamm besuchten. 1805 trafen die amerikanischen Entdecker Lewis und Clark mit den Nez Percé erstmals zusammen als sie die Mitglieder der Expedition retteten, die sonst möglicherweise in den Bergen von Idaho verhungert wären. Sie schworen ewige Freundschaft zwischen Indianern und Weißen. Diesen Schwur hielten die Nez Percé jahrzehntelang. In dieser Zeit besuchten auch französische Händler der North-West-Fur-Company die Nez Percé, um Felle gegen Gewehre, Messer, Stoff und Schmuck zu tauschen. Später hatten sie sich mit den Pelzhändlern angefreundet, den Missionar Henry H. Spalding zu sich kommen lassen (viele waren Christen geworden). So auch Himmaton Yalatkits (Chief Joseph) Vater namens Tuekakas, der vor seinem Sohn Häuptling der Nez Percé war, und den der Missionar auf den Namen Old Joseph umtaufte. 1831 bat der Stamm sogar um Missionare und halfen amerikanischen Armeen in ihren Kriegen gegen andere Nationen im Nordwesten.

Die Nez Percé teilten sich in mehrere Gruppen auf, die unabhängig voneinander waren, und auch für sich eigene Entscheidungen trafen. Manchmal schlossen sich mehrere Dörfer der Nee Me Poo zu Gruppen mit einem einzigen Anführer und einem Stammesrat zusammen, dessen Mitglieder aufgrund ihrer Weisheit oder besonderer Fähigkeiten Respekt genossen. Es gab jedoch keinen politischen Führer und keine Organisation, die den gesamten Stamm als eine politische Einheit vertreten hätte. Jedes Dorf beziehungsweise jeder Verband von Dörfern war unabhängig und bestimmte über sich selbst. Die Menschen ernährten sich vorwiegend von Lachs - die Dörfer lagen meist bei guten Fischgründen -, außerdem machten sie je nach Jahreszeit Jagd auf Rotwild, Wapitis, Bären und Bergschafe und sammelten Wurzeln und wilde Früchte. Die Nez Percé zogen im Frühjahr nach Osten in die Prärie, wo sie Antilopen und Büffel jagten. Dabei kam es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den Nez Percé und den Blackfoot, die die Nez Percé nach Westen aus ihrem Stammesgebiet zurückdrängen versuchten. Jedoch wurden die Blackfoot stets geschlagen.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erhielten die Nez Percé die ersten Pferde und übernahmen daraufhin viele Gewohnheiten der Prärie-Indianer. Sie hatten sich zu ausgezeichneten Reitern entwickelt und einige Gruppen ritten regelmäßig über die Berge nach Osten, wo sie sich mit den Flathead, Crow und anderen Bison jagenden Stämmen zusammentaten. Durch diese Kontakte eigneten sie sich viele Aspekte der Kultur der Prärieindianer an, so dass es in ihrer ursprünglich auf dem Fischfang beruhenden Kultur dann auch das Tipi aus Tierhäuten und das Travois gab. Jedoch als Dauerwohnung diente weiterhin das Langhaus, welches von vielen Familien bewohnt wurde. Es war mit Matten bedeckt und in der Mitte befand sich ein Gang mit den Feuerstellen der Bewohner. Die Nez Percé waren wie ihre nördlichen Nachbarn Steinkocher. Die Töpferei war ihnen nicht bekannt. Jedoch flochten sie kunstvolle Körbe und Säcke in der Korbflechtertechnik. Die Webkunst kannten sie auch nicht. Sie flochten jedoch aus in Streifen geschnittenen Kaninchenfellen leichte, warme Umhänge oder Felldecken. Ihre Kleidung fertigten sie aus Elch-, Hirsch- oder Antilopenhäuten. Die Nez Percé besaßen ein Land, was reich war an essbaren Wurzeln und anderer pflanzlicher Nahrung. Hauptnahrungsmittel war die zwiebelartige Camaswurzel. Die Wurzel wurde gesammelt und in Gruben geröstet. Als Nahrungsreserve dienten getrocknete Wildbeeren. Die Nez Percé kannten nur die Kerne der Sonnenblumen als Körnerfrucht. In den Flüssen ihres Stammesgebietes gab es drei verschiedene Lachsarten, die zu unterschiedlichen Zeiten laichen und den Nez Percé mehrmals im Jahr eine Unmenge an Fischen boten. Die Fische, die nicht verzerrt werden konnten, wurden getrocknet, geräuchert und eingelagert.

Die Nez Percé bestanden eigentlich aus zwei Stämmen, den oberen und den unteren Nez Percé, die über jeweils eigene Gebiete verfügten, aber gemeinsame Jagdgründe hatten. Sie achteten und respektierten sich untereinander blieben aber in den Indianerkriegen der Regionen neutral, selbst in den Rogue River-Kriegen in den 1850er Jahren. Die Gruppe von Tuekakas, die so genannte Wellamotkin-Gruppe, lebte im Wallowa-Tal im Nordosten Oregons. Während Tuekakas Amtszeit im Jahre 1855, schlossen die Nez Percé einen Vertrag mit der US-Regierung ab, der ihnen für die Abtretung des größten Teils ihres Landes, eine Reservation in Idaho und Oregon garantierte. Die Trennung oberen und unteren Stämme wurde jedoch indirekt durch die US-Regierung aufgehoben, als sie 1863 die Oberen Nez Percé einen Vertrag unterzeichnen ließ, der auch die Unteren Nez Percé mit einschloss und die Umsiedlung beider Stammesgruppen in das Lapwai-Reservat vorsah. Als jedoch im Jahre 1860 Gold in den Gebieten gefunden wurde drang ein Trupp Goldsucher in die Reservation der Nez Percé ein, die die Regierung in einem Vertrag fünf Jahre zuvor als Indianerland zu schützen gelobt hatte. Als die Männer fündig wurden, strömten Tausende von Goldschürfern in die Reservation und errichteten dort feste weiße Siedlungen wie etwa das heutige Lewiston in Idaho. Da die Goldgräber darauf drängten, die Indianer aus den Fundgebieten zu entfernen, riefen Regierungsbeauftragte 1863 alle Nez Percé-Gruppen zusammen und verlangten, sie müssten knapp 25.000 Quadratkilometer ihres Landes aufgeben und in eine neue Reservation umziehen, die nur noch ein Zehntel der bisherigen Größe hatte und zu der bereits die Gebiete einiger Nez Percé-Gruppen gehörten, etwa das Land von Chief Lawyer, einem willfährigen Freund Washingtons. Während Tuekakas und andere Häuptlinge sich weigerten, wurden andere Häuptlinge von den amerikanischen Unterhändlern bedrängt und bestochen und schließlich dazu gebracht, den Vertrag zu unterzeichnen.
Es vergingen zehn Jahre, bevor der Siedlerstrom auch die Nez Percé bedrohte, die den Vertrag noch nicht in die Tat umgesetzt hatten. Obwohl die lokalen Behörden die Schaffung eines regionalen Reservats für die Unteren Nez Percé bei Wallowa befürworteten, lehnte der US-Kongress diese Idee ab. Und trotz der Bemühungen des in einer Missionsschule ausgebildeten Häuptlings Joseph, wurde die südliche Stammesgruppe 1877 aus dem Wallowa Tal in das Lapwai Reservat gezwungen, wo sich die traditionellen Gegensätze zwischen beiden Stammesteilen verschärften. Die Zwangsumsiedlung betraf auch die Wellamotkin-Gruppe in dem abgelegenen Wallowa-Land im Nordosten Oregons, deren Häuptling Tuekakas hieß, ein sanfter, älterer Mann, der sich 1839 als der erste von zwei Nez Percé zum Christentum bekannt und von den Missionaren den Namen Joseph erhielt.

Tuekakas und mehrere andere Häuptlinge, die ihr Land aufgeben sollten, weigerten sich, den Vertrag zu unterzeichnen, und führten ihre Gruppen unverrichteter Dinge nach Hause. sobald sie abgezogen waren, bedrängte und bestachen die Regierungsbeauftragten Lawyer und die anderen verbliebenen Häuptlinge und brachten sie dazu, den Vertrag im Namen der ganzen Nation zu unterschreiben - obwohl sie den Stammessitten zufolge gar nicht das Recht dazu besaßen. Die Unterhändler berichteten dem Bundesbeauftragten für Indianerangelegenheiten in Washington stolz, sie hätten das gesamte von ihnen eingeforderte Land von den Nez Percé bekommen, und zwar „zu einem Preis von nicht mehr als acht Cent pro Morgen".
Als Tuekakas von dem Betrug erfuhr, erklärte er wütend, Lawyer habe kein Recht, im Namen der Wallowa-Gruppe etwas zu unternehmen; er würde sein Land nie hergeben. Dann warf er seine Bibel fort und kehrte zur Religion seines Volkes zurück. Dennoch ging die Regierung davon aus, dass das Wallowa-Land von Oregon nun von Weißen besiedelt werden durfte; aber da kein Gold dort gefunden wurde und weil das Gebiet von Canyons umschlossen war und Familien mit Planwagen und Vieh es nur schlecht erreichen konnten, wurden mehrere Jahre lang keine Besiedlungsversuche unternommen - bis 1871.
In diesem Jahr rief Tuekakas, der mittlerweile erblindet war und fühlte, dass sein Tod nahte, seinen einunddreißigjährigen Sohn, der bei den Weißen als Young Joseph bekannt war, zu sich und erzählte ihm von seiner Heimat Wallowa; seine Worte wurden später von Young Joseph wiedergegeben:
Mein Sohn, mein Körper kehrt bald zu meiner Mutter Erde zurück und mein Geist wird sehr bald den Großen Häuptling der Geister sehen. Wenn ich gegangen bin, dann denke an dein Land. Du bist der Häuptling dieser Menschen. Sie schauen auf dich, damit du ihnen den Weg weist. Vergiss nie, dass dein Vater sein Land nie verkauft hat. Wann immer du aufgefordert wirst, einen Vertrag zu unterschreiben, mit dem du deine Heimat verkaufst, musst du dir die Ohren zuhalten. In einigen Jahren werdet ihr von Weißen umgeben sein. Sie haben ihre Augen auf dieses Land geworfen. Mein Sohn, vergiss nie meine letzten Worte. Dieses Land birgt die Leiche deines Vaters. Verkaufe nie die Knochen deines Vaters und deiner Mutter.
Dann fügte Young Joseph - der den Weißen bald als Chief Joseph bekannt werden sollte - hinzu:
Ich begrub ihn in dem schönen Tal, wo das Wasser in Windungen fließt. Ich liebe dieses Stück Land mehr als die ganze restliche Welt. Ein Mensch, der das Grab seines Vaters nicht liebt, ist schlimmer als ein wildes Tier.
Als immer mehr weiße Siedler Häuser, Ranches und Siedlungen im Tal errichteten, übernahm Young Joseph die Führung der Wellamotkin-Gruppe und widersetzte sich sechs Jahre lang erfolgreich den Versuchen, die Nez Percé auf ihrer Heimat zu vertreiben und in kleine neue Reservationen in Idaho zu zwingen.

Zwischen den Indianern und den zivilen und militärischen Unterhändlern kam es zu zahlreichen Besprechungen, und Untersuchungsbeamte stellten mehrfach fest, dass der Vertrag von 1863 ungültig und die Regierung nicht rechtmäßiger Besitzer von Josephs Land sei. 1873 kam man in Washington zu dem Ergebnis, dass man einen Fehler gemacht habe und das Land nach wie vor den Indianern gehöre. Die Weißen mussten umsiedeln, und der Großteil des Landes von Wallowa wurde in eine geschützte Reservation für Josephs Gruppe umgewandelt. Doch als Siedler und die Politiker in Oregon angesichts dieser Entscheidung revoltierten, machte die Regierung ihren Entschluss wieder rückgängig und befahl den Nez Percé zu gehen.
Weitere Treffen folgten, bei denen Joseph nicht nur sein Geschick im Verhandeln bewies, sondern auch seine warme, verständnisvolle Herzlichkeit. Zwar erklärte er einerseits immer wieder, dass das Land von Wallowa nach wie vor seinem Volk gehörte, aber er verstand auch das Dilemma der Weißen, die glaubten, die Regierung habe das Gebiet rechtmäßig erworben und für Siedler zugänglich gemacht.
In der Hoffnung auf eine friedliche Lösung befreundete er sich mit vielen der weißen Siedlern und gewann auch die Sympathie von General Oliver O. Howard, dem Kommandanten der Soldaten, die von der Regierung geschickt worden waren, um Feindseligkeiten zu verhindern und das Problem zu lösen. Joseph wollte Blutvergießen verhindern, doch Angehörige der unteren Nez Percé zettelten einen Krieg an und zogen sich damit den Zorn der US-Army zu. General Oliver Otis Howard und Häuptling Joseph kannten und respektierten einander, aber die Initiative einiger weniger hatte die Gewalt plötzlich so weit getrieben, dass ein Krieg nicht mehr zu vermeiden war.
1877 erkannte Howard, dass die einzige annehmbare politische Lösung für die Regierung darin bestand, alle Nez Percé, die noch in ihrem Land wohnten, einschließlich Josephs und seines Stammes, zu zwingen, es zu verkaufen und sofort in die Reservation zu ziehen. Bei einem Treffen in Lapwai in der Reservation, bei dem den „Nichtvertrags-Gruppen" - jene, die den Vertrag von 1863 nicht unterzeichnet hatten - dieses Ultimatum gestellt wurde, schlugen die Gemüter hohe Wellen.
Nachdem Toohoolhoolzote, ein ältere Häuptling und Führer der traditionellen indianischen Dreamer-Religion, die Nez Percé zum Widerstand aufgerufen hatte, erteilte Howard ihm Redeverbot. Wütend entgegnete Toohoolhoolzote:
Wer bist du, dass du uns aufforderst zu sprechen und mir dann sagst, dass ich nicht sprechen darf? Bist du der Schöpfer? Hast du die Welt erschaffen? Hast du die Flüsse fließen lassen? Hast du das Gras wachsen lassen? Hast du all diese Dinge gemacht, dass du zu uns sprechen kannst, als wären wir kleine Jungen?

Verärgert ließ Howard Toohoolhoolzote ins Wachhaus bringen. Joseph wollte einen Krieg, den die Indianer seiner Ansicht nach nicht gewinnen konnten, unbedingt verhindern und erklärte sich widerwillig bereit, seine Heimat aufzugeben und sein Volk in die Reservation zu bringen. Zunächst kehrte er jedoch ins Wallowa Valley zurück, und von dort führte er seine Gruppe von rund 250 Nez Percé mit ihrem Vieh und all ihrem Hab und Gut, das sie mitnehmen konnten, über den Snake River und den Salmon River zu einer Stelle in Idaho, wo sie sich ein letztes Mal mit anderen Nichtvertrags-Gruppen in Freiheit versammeln wollten. Widerwillig übernahm Joseph das Kommando und zog mit seinen Kriegern in die White Bird Canyon, wo er am 17. Juni 1877 der Army in der ersten Schlacht dieses Nez Percé Krieges schwere Niederlagen zufügte. Als Howard mit neuen Einheiten und schwerer Artillerie anrückte, hatte sich Joseph bereits hinter den Clearwater Fluss zurückgezogen. Er wollte mit seinem Stamm über die Grenze nach Kanada in die Freiheit fliehen. Aber um in den Norden zu kommen, mussten die Nez Percé zunächst nach Montana gelangen, die Rocky Mountains überqueren und hunderte Kilometer Steppe. Den Montana Fluss passierten sie in der Nähe von Fort Missoula und schafften es immer wieder, die Armee zu täuschen oder zu besiegen. Doch als der Stamm endlich die Plains erreicht hatte, wurde er nicht nur von Howard, sondern auch von einer Kavallerieeinheit unter Oberst Nelson Miles aus Fort Keogh verfolgt. In einem Scharmützel am Canyon Creek vernichteten sie diese Truppen und überquerten den Missouri bei Crow Island am 23. September. Eine Woche später lagerten die völlig erschöpften Indianer, die mit ihren Familien, alten Männern, Frauen, Kindern und ihren Viehherden losgezogen waren, bei den Bear Paws Bergen. Von dort war es nur noch ein Tagesritt nach Kanada. Da Howard noch zwei Tage benötigen würde, um sie zu erreichen, ließ Joseph den Stamm weiter ausruhen.
Während die Indianer sich unterhielten und ausruhten, bevor sie in die Reservation weiter zogen, beschloss ein junger Mann von Chief White Birds Salmon River-Gruppe, dessen Vater von einem Weißen getötet worden war, Rache zu üben. Zusammen mit einigen Freunden, die ebenfalls den Weißen unversöhnlich gegenüberstanden, ritten sie vom Lager fort und töteten vier Siedler. Obwohl diese Indianer nicht zu Josephs Gruppe gehörten, entschuldigte er sich später für ihren Überfall. Da die Gruppen wussten, dass General Howard sie nun mit Soldaten verfolgen würde, zogen sie sich in den Whitebird Canyon zurück. Und obwohl Joseph sich gegen Krieg ausgesprochen und alles getan hatte, um ihn zu verhindern, schloss er sich den anderen Nichtvertrags-Gruppen im Canyon an und übergab seine jungen Männer der Führung seines Bruders Ollokot, dem Kriegshäuptling der Gruppe. Schon bald erschienen Howards Truppen, angeführt von zivilen Kundschaftern, am Eingang der Schlucht. Die Nez Percé schickten Reiter mit einer weißen Flagge vor, doch die Soldaten eröffneten sofort das Feuer. Die Indianer töteten unter geringen Eigenverlusten ein Drittel der Truppen und jagten den Rest in die Flucht.

Die vereinten Nichtvertrags-Gruppen der Nez Percé begannen mit insgesamt rund 750 Menschen - darunter Frauen, Kinder, Kranke und Alte, allem Gepäck und einer großen Pferdeherde einen 2200 Kilometer langen Rückzug, um sich vor dem Militär in Sicherheit zu bringen. Dabei überlisteten und verwirrten sie zahlreiche Militäreinheiten unter der Führung alt gedienter Bürgerkriegsoffiziere. Ihre Flucht führte sie über die Berge. durch die Schluchten und über die Hochlandprärien von Idaho, über die hohen Bergrücken der Bitterroot Mountains nach Montana und Wyoming, wo sie in dem neu gegründeten Yellowstone Park auf verängstigte Touristen stießen.
Immer wieder wichen sie Hinterhalten einer Reihe von Armeen östlich des Naturparks aus, bis sie schließlich auf den kalten Ebenen im norden Montanas umzingelt wurden. Insgesamt hatten sie im Verlauf ihrer dreieinhalb Monate währenden Flucht bei insgesamt achtzehn Begegnungen gegen zweitausend reguläre Soldaten, Freiwillige und ihre indianischen Hilfstruppen aus verschiedensten Stämmen gekämpft, dabei vier große Schlachten geschlagen und mehrere heftige Scharmützel. Mindestens 120 Indianer, darunter 65 Männer und 55 Frauen und Kinder, starben; die Weißen zählten rund 180 Tote und 150 Verletzte.
"Sie nahmen keine Skalps, ließen gefangene Frauen frei, ermordeten nicht, wie sonst üblich, wahllos friedliche Familien und kämpften mit fast wissenschaftlicher Präzision, mit Vor- und Nachhut, Schützenlinien und Befestigungen", bemerkte General Sherman nach dem Krieg. Während des gesamten Rückzugs hielten die Weißen fälschlicherweise Chief Joseph für den Anführer der Indianer, und Berichterstatter, die die Truppen begleiteten, dämpften die Wut der Generale, indem sie Joseph zum Mythos erhoben und erklärten, man habe es mit einem "Roten Napoleon" zu tun, einem wahren indianischen Militärgenie.
In Wahrheit war es das Militärgenie der Menschen selbst, geboren aus ihrer Verzweiflung. Entscheidungen wurden von Kriegsräten und zivilen Anführern aller Gruppen gefällt, und bis zu einem katastrophalen Überraschungsangriff der Armee in der Gegen des Big Hole Rivers in Montana, der vielen Nez Percé das Leben kostete, folgten die Männer meist dem Rat von Chief Looking Glass. Danach betrachteten sie den Mestizen Lean Elk, einen Nez Percé und Franzosen, der auch als Poker Joe bekannt war, als ihren Führer, denn er kannte die Landschaft von Montana genau. Bei den Schlachten führten die Kriegshäuptlinge jeder Gruppe ihre eigenen Männer an. Als ziviler Häuptling nahm Joseph zwar an den Kriegsräten teil, doch in Zeiten der Gefahr kümmerte er sich um die Sicherheit der Frauen, Kinder und Alten.

Als die im Yellowstone-Gebiet ankamen, mussten sie feststellen, dass die Crow nicht mehr ihre Freunde waren. Der Stamm hatte sich von den Amerikanern anwerben lassen, und Späher und Pferdediebe der Crow griffen die Nez Percé tagtäglich an, bis diese das Crow-Gebiet hinter sich gelassen hatten. dann beschlossen die verzweifelten, abgekämpften Indianer, nach Kanada zu gehen und bei Sitting Bull im Exil Sicherheit zu suchen. Währenddessen war es Miles allerdings gelungen, aus den Resten seiner geschlagenen Einheit eine neue Kavallerietruppe zusammenzustellen, so dass er Josephs Lager umschließen konnte.
Keine sechzig Kilometer von der Grenze entfernt, in der Nähe der Bear´s Paw Mountains in Montana, überraschte ein weiteres Heer unter Colonel Nelson A. Miles, der telegrafisch herbeigerufen worden war, die Nez Percé auf der offenen Prärie, verjagte ihre Pferde und umzingelte die Indianer in Gruben, die sie in die Uferböschungen ausgetrockneter Bäche gegraben hatten. In einer fünf Tage währenden Schlacht wehrten sich die Krieger, krank und erschöpft, gegen die mit modernen Gewehren ausgerüsteten Soldaten. Im verlauf der fünf Tage währenden Belagerung wurden Ollokot, Looking Glass, Lean Elk, Toohoolhoolzote und viele andere getötet. Da die Frauen und Kinder entsetzlich unter Hunger und Kälte litten und es keine Hoffnung mehr gab, kapitulierte Joseph am 5. Oktober 1877. Seine eloquente Kapitulationsrede, die er vor General Howard und Colonel Miles hielt, gehört zu den am häufigsten zitierten Reden eines Indianers:
„Sagt General Howard, ich kenne sein Herz. Was er mir gesagt hat, habe ich in meinem Herzen bewahrt. Ich bin müde vom Kämpfen. Unsere Häuptlinge sind tot. Looking Glass ist tot. Toohoolhoolzote ist tot. Die alten Männer sind alle tot. Jetzt sagen die jungen Männer "ja" oder "nein". Der Anführer der jungen Männer (Ollokot) ist tot. Es ist kalt, und wir haben keine Decken. Die kleinen Kinder erfrieren. Einige meiner Leute sind in die Berge geflohen; sie haben keine Decken und nichts zu essen. Niemand weiß wo sie sind - vielleicht erfrieren sie. Ich möchte Zeit haben, nach meinen Kindern zu suchen und zu sehen, wie viele ich finden kann. Vielleicht finde ich sie unter den Toten. Hört mich an, meine Häuptlinge! Ich bin müde. Mein Herz ist krank und traurig. Von dort, wo die Sonne jetzt steht, werde ich nie mehr kämpfen.“
In der folgenden Nacht entkamen White Bird und einige andere im Schutz der Dunkelheit durch die Linien der Armee und flohen über die Grenze nach Kanada, wo sie sich Sitting Bull anschlossen. Sie glaubten, dass die Armee alle, die sich ergaben, hängen oder schwer bestrafen würden. Joseph hingegen behauptete, dass Colonel Miles ihm versprochen habe, die Nez Percé dürften in ihr Land im Nordwesten zurückkehren. Beide Meinungen erwiesen sich als falsch. Die meisten der Überlebenden wurden nicht, wie von Miles zugesagt, in das Lapwai Reservat gebracht, sondern in das Indianer-Territorium. Nach Josephs Kapitulation wurden die Indianer nach Süden in ein mit Malaria verseuchtes Tiefland in der Nähe von Fort Leavenworth im Osten Kansas gebracht, und von dort zu einer heißen, von Epidemien heimgesuchten Reservation im Indian Territory, Oklahoma.

Als die im Yellowstone-Gebiet ankamen, mussten sie feststellen, dass die Crow nicht mehr ihre Freunde waren. Der Stamm hatte sich von den Amerikanern anwerben lassen, und Späher und Pferdediebe der Crow griffen die Nez Percé tagtäglich an, bis diese das Crow-Gebiet hinter sich gelassen hatten. dann beschlossen die verzweifelten, abgekämpften Indianer, nach Kanada zu gehen und bei Sitting Bull im Exil Sicherheit zu suchen. Währenddessen war es Miles allerdings gelungen, aus den Resten seiner geschlagenen Einheit eine neue Kavallerietruppe zusammenzustellen, so dass er Josephs Lager umschließen konnte.
Keine sechzig Kilometer von der Grenze entfernt, in der Nähe der Bear´s Paw Mountains in Montana, überraschte ein weiteres Heer unter Colonel Nelson A. Miles, der telegrafisch herbeigerufen worden war, die Nez Percé auf der offenen Prärie, verjagte ihre Pferde und umzingelte die Indianer in Gruben, die sie in die Uferböschungen ausgetrockneter Bäche gegraben hatten. In einer fünf Tage währenden Schlacht wehrten sich die Krieger, krank und erschöpft, gegen die mit modernen Gewehren ausgerüsteten Soldaten. Im verlauf der fünf Tage währenden Belagerung wurden Ollokot, Looking Glass, Lean Elk, Toohoolhoolzote und viele andere getötet. Da die Frauen und Kinder entsetzlich unter Hunger und Kälte litten und es keine Hoffnung mehr gab, kapitulierte Joseph am 5. Oktober 1877. Seine eloquente Kapitulationsrede, die er vor General Howard und Colonel Miles hielt, gehört zu den am häufigsten zitierten Reden eines Indianers:
„Sagt General Howard, ich kenne sein Herz. Was er mir gesagt hat, habe ich in meinem Herzen bewahrt. Ich bin müde vom Kämpfen. Unsere Häuptlinge sind tot. Looking Glass ist tot. Toohoolhoolzote ist tot. Die alten Männer sind alle tot. Jetzt sagen die jungen Männer "ja" oder "nein". Der Anführer der jungen Männer (Ollokot) ist tot. Es ist kalt, und wir haben keine Decken. Die kleinen Kinder erfrieren. Einige meiner Leute sind in die Berge geflohen; sie haben keine Decken und nichts zu essen. Niemand weiß wo sie sind - vielleicht erfrieren sie. Ich möchte Zeit haben, nach meinen Kindern zu suchen und zu sehen, wie viele ich finden kann. Vielleicht finde ich sie unter den Toten. Hört mich an, meine Häuptlinge! Ich bin müde. Mein Herz ist krank und traurig. Von dort, wo die Sonne jetzt steht, werde ich nie mehr kämpfen.“
In der folgenden Nacht entkamen White Bird und einige andere im Schutz der Dunkelheit durch die Linien der Armee und flohen über die Grenze nach Kanada, wo sie sich Sitting Bull anschlossen. Sie glaubten, dass die Armee alle, die sich ergaben, hängen oder schwer bestrafen würden. Joseph hingegen behauptete, dass Colonel Miles ihm versprochen habe, die Nez Percé dürften in ihr Land im Nordwesten zurückkehren. Beide Meinungen erwiesen sich als falsch. Die meisten der Überlebenden wurden nicht, wie von Miles zugesagt, in das Lapwai Reservat gebracht, sondern in das Indianer-Territorium. Nach Josephs Kapitulation wurden die Indianer nach Süden in ein mit Malaria verseuchtes Tiefland in der Nähe von Fort Leavenworth im Osten Kansas gebracht, und von dort zu einer heißen, von Epidemien heimgesuchten Reservation im Indian Territory, Oklahoma.
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