Nordamerika
Zu Nordamerika gehören Grönland, Kanada, die USA, Mexiko und mehrere Inselstaaten. Besonders erwähnenswert ist, dass ein Teil Nordamerikas auf der Pazifischen Platte liegt. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um die Halbinsel Baja California in Mexiko sowie den Küstenstreifen Kaliforniens von San Diego bis nördlich von San Francisco. Der Bruch zwischen der pazifischen und der nordamerikanischen Platte wird San Andreas-Graben genannt. Beide Platten driften beständig nach Norden, die pazifische Platte jedoch mit einer höheren Geschwindigkeit. Dadurch gleiten beide Platten aneinander vorbei. Da dies nicht reibungslos passiert, sondern sich beide Platten an verschiedenen Stellen verhaken, kommt es sehr häufig zu Erdbeben in diesem Gebiet.
Im westlichen Teil befinden sich die Rocky Mountains, die westlichen Kordilleren und die Sierra Madre, die hauptsächlich durch den Druck der pazifischen Platte auf die nordamerikanische Platte vor ca. 80 Millionen Jahren entstanden sind. Im Norden ist Grönland mit seinem Inlandpackeis und weiter südlich zwischen Kanada und den USA die großen Seen erwähnenswert, die Hinterlassenschaften der letzten Eiszeit sind. Hier befindet sich, nach dem Kaspischen Meer, der zweitgrößte See der Welt, der Lake Superior mit einer Fläche von etwa 82.000 Quadratkilometern. Auf der östlichen Seite finden sich die Appalachen, die mit einem Alter von ca. 400 Millionen Jahren zu den ältesten Gebirgen der Welt gehören. Zwischen den Appalachen und den Rocky Mountains finden sich die Great Plains, eine zentrale Tiefebene, durch die der Missouri und der Mississippi fließen. Das Mississippi Tal wird auch Tornado Alley genannt, da hier sehr häufig Tornados entstehen.
Die vegetative und geografische Vielseitigkeit des Nordamerikanischen Kontinents ermöglichte eine unterschiedliche Entwicklung in den kulturellen, religiösen und geschichtlichen Bereichen der verschiedenen Indianerstämme. Daher wird Nordamerika auch zum besseren Verständnis in verschiedene Kulturareale eingeteilt:
Vor- und Frühgeschichte Nordamerikas
Die Erstbesiedelung Amerikas wird im Augenblick wieder heftig diskutiert Es gibt einige Hinweise auf eine noch früher als bisher angenommene Besiedlung Amerikas (Monte Verde, Pedra Pintada). Auch die bisherige Theorie, nach der die Besiedlung Amerikas ausschließlich über die Landbrücke zwischen Alaska und Sibirien erfolgte, ist nicht mehr unumstritten.
Als allgemein akzeptierte, erste Kultur gilt die Clovis-Kultur von ca. 11.600 bis ca.10.700 vor unserer Zeit. Benannt wurde sie nach dem ersten Fundort Clovis, New Mexico. Typisch waren die sorgfältig bearbeiteten, meist kannelierten, Waffenspitzen.
Als Nachfolger der Clovis-Kultur, gilt die Folsom-Kultur , ca. 10.500-9.000 vor Heute, bzw. der Folsom-Komplex, dem mehrere Traditionen zugeordnet werden (Hells Gap, Midland, Agate Basin).
Als letzte, wenn man so will, paläo-indianische Kultur, trat der Plano-Kultur (-Komplex), die Nachfolge der Folsom-Kultur an. Mit Ihren verschiedenen Ausprägungen (Alberte, Cody, Frederick, Eden, Scotssbluff), dauerte sie von 9.000 - 8.500 vor Heute.
Besiedlung Amerikas
Die erste Besiedlung Nordamerikas erfolgte nach heutigem Wissensstand etwa 13.000 v. Chr. von Asien aus über eine Landbrücke bei der Beringstraße oder in Booten entlang der Küste. Die ältesten allgemein anerkannten archäologischen Spuren sind die der Clovis-Kultur, die etwa das genannte Alter hat. Sie finden sich im Südwesten der USA.
Funde von Monte Verde in Chile und am Meadowcraft Felsüberhang in der Nähe von Pittsburgh (USA) sind teilweise um 1.000 - 5.000 Jahre älter datiert als die ältesten Clovisstätten. Allerdings sind diese Daten unter Archäologien umstritten.
Die Inuit sind relativ spät in Nordamerika angekommen und werden nicht zu den Indianern gezählt.
Entdeckung Nordamerikas
Die Fahrt von Christoph Kolumbus nach Amerika im Jahre 1492 gilt offiziell als Entdeckung (Mittel-)Amerikas auch wenn sich dieses Faktum mittlerweile erwiesener maßen als falsch herausgestellt hat. Seefahrer der Wikinger haben den amerikanischen Kontinent schon einige hundert Jahre früher bereist und es gilt als wahrscheinlich, dass auch andere Seefahrer die Reise über den atlantischen Ozean geschafft haben, bevor Kolumbus in See stach.
Kolonialgeschichte
Nach der Reise von Christoph Kolumbus im Jahre 1492 nach Amerika, wanderten immer mehr Europäer nach Amerika aus. Alleine zwischen 1620 und 1770, also bis knapp vor der amerikanischen Unabhängigkeit, stieg die weiße Bevölkerung in den USA von 2'000 auf über 2,2 Millionen an. Dies führte zu Landstreitigkeiten zwischen Weißen und Indianern.
Die Indianerpolitik der USA
Die Indianerpolitik der USA war gezeichnet vom Wunsch der weißen Siedler nach Land und der folglichen Unterwerfung der Indianer. Im Jahre 1763, noch vor der Gründung der USA, entstand durch den Proklamations Akt erstmals ein separates Indianerterritorium, das die Indianer im Wesentlichen von den europäischen Auswanderern trennte. Das Gesetz trennte das Land entlang der Wasserscheide der Appalachen: Der westliche Teil wurde den Indianern zugeschrieben, der östliche den Weißen.
Verschiedene Faktoren trugen zur Unterwerfung der Indianer bei: Krieg, Umsiedlung, übermäßig viele weiße Siedler, eingeschleppte Krankheiten, gebrochene Verträge und gezielte Ausrottung der Bison als Lebensgrundlage vieler Indianer. Das Massaker von Wounded Knee im Jahre 1890 gilt als endgültige Besiegung der Indianer; fortan lebten sie in Reservationen und waren von den Lebensmittelrationen der Weißen abhängig.
Auch nach der Unterwerfung der Indianer bereiteten diese den Weißen Probleme, alleine durch ihre Existenz und durch die Gelder, welche die Lebensmittelrationen kosteten. In verschiedenen Versuchen wollten die Weißen dieses Indianerproblem beseitigen. Nach und nach scheiterten alle Versuche: General Allotment Act, Indian Reorganization Act und Termination. Erst mit dem Indian Self Determination Act von 1968 erhielten die Indianer ein Teil ihrer Rechte wieder zurück. Ihr Leben ist jedoch nach wie vor geprägt von Rassendiskriminierung und Armut.
Die Indianerpolitik Kanadas
Kanada verabschiedete 1867 mit dem Indian Act ein Gesetz, das die kanadischen Indianer künftig als Mündel der Regierung behandeln ließ. Als solche können sie nicht über sich selbst entscheiden, sind jedoch von jeglichen Steuern befreit.
Bis in die 1970er-Jahre wurden indianische Kinder früh aus ihren Familien gerissen und in meist religiöse Internate gesteckt. Dort durften sie nicht ihre Stammessprache sprechen und mussten das Christentum annehmen. Später kamen seelische und körperliche Misshandlungen an die Öffentlichkeit.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelangten die Indianer zu einigen Rechten. So erhielten sie 1960 das Wahlrecht auf Bundesebene. 1982 unterschrieb Kanada einen Verfassungsartikel, womit sie die traditionellen Rechte der Indianer wie auch die in staatlichen Verträgen festgelegten Rechte anerkannten. Mehrere indianische Gruppierungen errangen anschließend dank diesem Artikel vor Gericht Siege.
Indigener Widerstand
1944 gründeten Indianer verschiedenster Tribes den National Congress of American Indians (NCAI), der als erste und einzige panindianische Widerstandorganisation gilt. Bereits früher waren diverse andere indianische Organisationen entstanden, die allerdings nicht bei allen Stämmen Unterstützung fanden. Der NCAI wurde zum Zwecke des besseren Schutzes der indianischen Rechte gegründet. Er verstand es als seine Aufgabe, in der amerikanischen Bevölkerung Öffentlichkeitsarbeit zum besseren Verständnis der indianischen Kultur und Situation zu leisten und sich für die Bewahrung der traditionellen kulturellen Werte einzusetzen. Der NCAI setzte sich für das Ende der Termination und für das Erstarken der Stammesregierungen ein. Bereits Ende des Zweiten Weltkrieges hatte der NCAI Mitglieder aus beinahe allen Stämmen in ihren Reihen.
Mit den Jahren stieg die Unzufriedenheit insbesondere unter den jüngeren Mitgliedern. Viele Indianer waren enttäuscht über das langsame Vorgehen des Kongresses. So spalteten sich 1961 der Nationale indianische Jugendrat (National Indian Youth Council - NIYC), der sich für den indianischen Nationalismus stark machte, und 1968 die Amerikanische Indianerbewegung (American Indian Movement - AIM) ab. Letztere, in den Städten entstandene Bewegung, sorgte Ende der 1960er- und anfangs der 1970er-Jahre mit ihren zum Teil recht militanten Aktionen für Schlagzeilen. 1969 besetzten AIM-Mitglieder zusammen mit Indianern verschiedener Stämme die verlassene, vor San Francisco liegende ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz, um dort ein Zentrum für indianische Kultur sowie ein Museum einzurichten. Nach 19 Monaten brachen die Indianer ihre Besetzung ab. 1971 nahmen AIM-Mitglieder einen Teil des in den heiligen Bergen der Lakota, den Black Hills, liegenden Mount Rushmore in Besitz, um gegen die zahlreichen gebrochenen Verträge zu protestieren. Ein Jahr später zogen sie mit Mitgliedern anderer Indianerorganisationen, wie dem NIYC, im Trail of Broken Treaties nach Washington D.C. und besetzten dort für sechs Tage das Verwaltungsgebäude des Bureau of Indian Affairs BIA. 1973 fand die wohl bedeutendste Aktion statt. AIM-Mitglieder besetzten zusammen mit Sympathisanten die in der Pine-Ridge-Reservation (South Dakota) gelegene Ortschaft Wounded Knee. Diese war und ist für die dort lebenden Lakota von geschichtsträchtiger Bedeutung. Rund 200 bewaffnete Indianer protestierten so gegen die korrupte Stammesregierung unter Richard Wilson. Die Besetzung dauerte 70 Tage.
Der NCAI seinerseits betrieb seinen friedlichen Protest durch Reden, Pamphlets aber auch durch Unterstützung lokaler Projekte und durch das Erarbeiten von Studienprogrammen weiter. Er gewann kontinuierlich an Einfluss. Vereinte er 1970 rund 2000 Mitglieder, so waren es 1978 bereits 3000, die 154 Stämme vertraten.
Nach der Besetzung von Wounded Knee verlagerte sich der Protest der Indigenen. Viele wendeten sich von militanten Maßnahmen ab und widmeten sich stattdessen juristischen Möglichkeiten. 1974 gründeten über 5.000 Vertreter von 98 indianischen Ethnien den Internationalen Indianischen Vertragsrat (International Indian Treaty Council - IITC), die heute wohl bedeutendste Widerstandsorganisation der Indianer. Ihr Ziel ist es, ihre Traditionen zu bewahren und ihre Rechte zur Selbstbestimmung zu erlangen. Noch im selben Jahr reisten Vertreter des IITC in die Schweiz, um die Gründung einer Menschenrechtsorganisation im Gastgeberland der UNO anzuregen. So entstand die Organisation Incomindios Schweiz, die indigenen Vertretern unter anderem ermöglicht, jährlich während einer Woche in Genf an der UNO ihre Probleme zu schildern und ihre Forderungen zu stellen.
Heutige Situation
In den USA leben 20% der Indianer unter der Armutsgrenze. Die US-Indianer besitzen 2,3 Prozent der Gesamtfläche der USA. Viele Indianer leben in urbanen Gebieten außerhalb der Reservationen. Mit je über 50.000 eingetragenen Mitgliedern sind die Cherokee, Diné, Inde (Apache), Anishinabe, Choctaw, Lumbee, Pueblo und Sioux die größten Stämme der USA.