17.05.2012

 

Nordöstliches Waldland

Lebensraum:

der große Wald

Lebensunterhalt:

Mais, Bohne, Kürbis

Materieller Kulturbesitz:

Wigwam, Großhaus

Soziale Umwelt:

Langhaus und Liga der Irokesen

Religion:

Traum, Vision, Maskenbund

Der Lebensraum der nordöstlichen Waldlandstämme reichte vom Sankt-Lorenz-Strom im Norden bis zum Cumberland River im Süden und vom Mississippi im Westen bis zur mittleren atlantischen Küste. Zu Beginn der europäischen Eroberung standen hier riesige Laub- und Mischwälder, in denen die Indianer einen primitiven, aber intensiven Bodenbau betrieben. Die nördliche Zone dieses ausgedehnten Waldareals wurde durch zahlreiche Seen und kleinere Ströme geprägt, die für das indianische Verkehrswesen von großer Bedeutung waren und als Verbreitungswege von Kulturgütern und Ideen zwischen den Stämmen eine wichtige Rolle spielten. Abgesehen von einigen kleinen Enklaven und den Landschaften um die östlichen Großen Seen, die von Angehörigen der irokesischen Sprachfamilie bewohnt wurden, war das ganze nordöstliche Waldland von Algonkin sprechenden Stämmen besiedelt.


Die nördliche atlantische Küstenzone wurde von einer Anzahl von Algonkinstämmen bewohnt, die sich schon in frühkolonialer Zeit zu mehreren Stammesverbänden vereinigt hatten und von denen die Konföderation der Abnaki (Wabanaki) besonders zu erwähnen ist. Ihr hatten sich die früher selbständigen Micmac, Malecite, Penobscot und Passamaquoddy angeschlossen. Zu den namhaftesten Stämmen der mittleren atlantischen Küste, von den südlichen Neuenglandstaaten bis etwa zur Chesapeake Bay, zählten die Pennacook, Massachuset, Wampanoag, Narraganset, Mohegan (deutsch: Mohikaner), Wappinger und die volkreichen späteren Delawaren (Lenape).

Außer diesen Stämmen und Konföderationen gab es noch eine größere Zahl von kleineren ethnischen Guppen, die teils in den genannten größeren Einheiten aufgegangen oder schon kurz nach den ersten kriegerischen Konflikten mit den weißen Siedlern aufgerieben worden waren und ihre ethnische Identität verloren hatten. Die meisten dieser mittleren atlantischen Küstenstämme sind ethnografisch nur wenig bekannt, weil ihre Kultur sich in den kleinen Restgruppen, die in Reservaten lebten, nicht mehr erhalten hat. Die südliche atlantische Küstenzone war von den Mitgliedern der Powhatan-Konfödeation sowie einigen kleineren Einheiten der Irokesen (Meherrin, Tuscarora) und der östlichen Sioux (Catawba, Tutelo) besetzt. Auch diese Indianer sind schon durch den ersten Siedlungsschub der Weißen entweder ausgerottet oder vertrieben worden, so dass sich über ihre ursprüngliche Kultur nur noch wenig sagen lässt.

Wesentlich besser unterrichtet ist man über die Kultur der irokesisch sprechenden Bewohner des Binnenlandes, insbesondere über die Irokesen im engeren Sinne, d.h. die Stämme der irokesischen Liga: die Mohawk, Oneida, Onondaga, Tuscarora (ab 1722), Cayuga und Seneca (von Ost nach West). Zwar stammen die meisten ethnografischen Nachrichten über sie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, als Lewis Henry Morgan unter ihnen weilte, doch gibt es schon aus dem 17 Jahrhundert über einen irokesischen Nachbarstamm, die Huronen, ausführliche Aufzeichnungen von jesuitischen Missionaren, die erst kürzlich auf ihren ethnografischen Aussagewert gesichtet worden sind. In der Kontaktgeschichte des östlichen Waldlandes sind die Irokesen vor allem wegen ihres erbitterten und anhaltenden Widerstandesgegen die Franzosen und später gegen die Amerikaner bekannt geworden.

In ihrem ständigen Kampf hielten sie sich sogar ein stehendes Heer, ein einmaliges Phänomen in de indianischen Welt Nordamerikas. Sie unterwarfen alle benachbarten Stämme vom atlantischen Hinterland im Osten bis zum Unterlauf des Ohio River, wo einige ethnografisch weniger hervorgetretene Aklgonkinstämme (Shawnee, Illinois, Miami und Potawatomi) lebten. Von diesen sind später nur die Shawnee in der Geschichte durch ihren großen Führer Tecumseh und dessen Zwillingsbruder Tenkswatawa bekannt geworden, als sie 1811/ 12 noch einmal versuchten, alle östlichen Indianer zu vereinigen und das Vordringen der Weißen über die Appalachen hinweg nach Westen zu verhindern.

Am westlichen Rand des großen Waldgebietes der Gemäßigten Zone lebten einige Stämme, die sich teils wegen ihrer besonderen Art der Nahrungsbeschaffung, teils wegen ihrer Nachbarschaft zu den Prärie-Indianern von den bisher besprochenen Waldlandstämmen in ihrem kulturellen Habitus abhoben. Zu ihnen zählen die Algonkin sprechenden Sauk, Fox, Menomini, Kickapoo und die Sioux sprechenden Winnebago. In ihrem seenreichen Wohngebiet der heutigen Staaten Minnesota und Michigan, vor allem aber an den seichten Ufern der großen Seen, gedieh eine Art Wildreis, die diesen Indianern, ebenso wie den Ojibwa des Oberen Sees, eine reiche Sammelnahrung lieferten. Auch hier war der Bodenbau bekannt, doch spielte er eine untergeordnete Rolle.

 

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