Plateaus und Großes Becken
Lebensraum: | westlich des Felsengebirges |
Lebensunterhalt: | reiche Lachsfischer auf dem Columbia-Plateau, arme Sammler im Great Basin |
Materieller Kulturbesitz: | Fischspeer, Grabstock, Sammelkorb |
Soziale Umwelt: | Lachshäuptling, Hasenschamane |
Religion: | Kollektivrituale (im Norden), Ritualarmut (im Süden) |
Der intermontane Raum des westlichen Nordamerika wird aus den Plateau- und Beckenlandschaften zwischen dem Kaskaden-Gebirge und der Sierra Nevada im Westen und den Gebirgskomplexen der Rocky Mountains (Felsengebirge) im Osten gebildet. Er erstreckt sich von British Columbia (Fraser-Plateau) über Washington, Montana, Teilen von Oregon und Idaho (Columbia-Plateau), sowie Utah und Nevada (Great Basin) bis an das Colorado-Plateau, das unmittelbar an das südliche Rocky Mountains Massiv anschließt und noch, über den Colorado River hinweg, bis nach Arizona hinein reicht.
Während der nördliche Teil dieser großen Binnenlandschaft durch den Fraser River und den Columbia River in den Pazifik entwässert, ist das weiter südlich gelegene Gebiet des Großen Beckens eine abflusslose, aus zahlreichen Einzelbecken bestehende Plateaulandschaft, die Basin and Range Province. Bis auf wenige kleinere Zonen trägt der gesamte intermontane Raum eine Trockensteppenvegetation aus Büschelgräsern und Kräutern. Der Süden geht in Halbwüste mit Kakteen und Yuccas über. Nur die höheren Lagen der meridional streichenden Bergketten des Großen Beckens und die Gebirgssysteme der Plateaus tragen dichteren Waldbewuchs (Gelbkiefer, Pinyon, Douglasie, Fichten).
Die Zahl der indianischen Bevölkerung der intermontanen Gebiete wird auf knapp 50 000 geschätzt. Sprachlich gehören die Stämme des Fraser- und nördlichen Columbia-Plateaus zu den Binnen-Salish. Die bekanntesten von ihnen sind die Shuswap, Lilloet, Thompson, Okanagon, Sanpoil, Nespelem, Spokan, Coeur d’Alêne und Flathead. Die Kutenai, die ebenfalls hier leben, bilden eine eigene Spracheinheit. Nach Südwesten zu schließen sich sahaptinsprechende Stämme an: Yakima, Cayuse, Nez Percé, Umatilla u. a. Die ebenfalls sahaptinsprechenden Klamath und Modoc wohnen im Grenzgebiet von Südwestoregon und Nordostkalifornien.
Alle Gruppen des Großen Beckens gehören dagegen zur Shoshone-Sprachfamilie (Numisch) des Uto-Aztekischen. Ihre wichtigsten Stammesverbände sind duie Westlichen Shoshone, die Nördlichen Shoshone, die Windriver Shoshone, die Nördlichen Paiute (Paviotso), die Südlichen Paiute und die Ute. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts das Bisonjägertum des Plainsgebietes seinen Höhepunkt erreichte, drangen starke Einflüsse über die Rocky Mountains in das östliche Columbia-Plateau und das östliche Große Becken ein. Von ihnen wurden im Norden insbesondere die Flathead, im Süden die Windriver Shoshone, die Nördlichen Shoshone und die Ute in so starkem Umfang erfasst (Übernahme des Pferdes und zahlreicher materieller Güter und Ideen), dass diese Gruppen früher häufig als Plainsindianer klassifiziert wurden. Der Einfluss war aber nur von kurzer Dauer, denn mit der Ausrottung des Bisons in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und dem Vordringen der Weißen auch in diese entlegenen Teile des Kontinents brach die Entwicklung ab.