Terena
| Geographische Region: |
Mato Grosso do Sul (Brasilien) |
| Sprachgruppe: |
Arawak-Familie |
| Wohnstätte: |
Hütten |
| Hauptnahrungsquelle: |
Ackerbau |
Die Sprache der Terenas gehört zur Arawak-Familie und enthält elementare kulturelle Module der Mbayá-Guaikuru. Sie sind eine Untergruppe der Guana oder Chane („viele Menschen" in der Sprache Terena). Ursprünglich lebten sie im Nordosten des paraguayischen Chaco. Das Gebiet der Terenas zog sich an beiden Seiten der Flüsse Aquidauana und Miranda bis den Höhen der Serra de Maracaju hinauf. 1580 wurde die Siedlung “Santiago de Xerez” von ihnen gegründet.

Traditionell waren die Guana Bauern und führten ein Vasallentum mit den Mbayá-Guaikuru im paraguayischen Chaco. Die Terenas belieferten sie mit Nahrungsmitteln und Textilien. Im Gegenzug erhielten sie Messer, Beile und Schutz. Als friedfertiger Stamm duldeten sie dass die Spanier und Portugiesen ihre Ländereien durchquerten. In Folge von Konflikten mit den Kolonialmächten begannen die Guana in der Mitte des 18. Jahrhunderts in brasilianische Gebiete der Miranda-Region auszuwandern. Von den vier Gruppen der ausgewanderten Guana überlebten nur ein paar Mitglieder der Kinkinau und die Terenas. Die Exoaldi, gefolgt von den Layana verschwanden bald danach im 20. Jahrhundert. Die Kinkinau betrieben weiterhin Landwirtschaft, Tauschhandel und Verkauf von Lebensmittel oder gesponnene Stoffwaren. Während sie noch im Chaco lebten, hatten die Terenas häufig Konflikte mit den Ylái und Yúaeno. Nach der Migration auf brasilianisches Gebiet, herrschte Frieden mit der regionalen Bevölkerung oder mit anderen Stämmen. Die Terenas kämpften Seite an Seite mit den brasilianischen Truppen während des Krieges 1860 gegen Paraguay. Nach der Beendigung des Krieges lagen die Dörfer der Terenas in Trümmern. Erst im Jahre 1910 konnten sich die Terenas im südlichen Teil von Mato Grosso wieder in Gemeinschaften organisieren. Ihre Nachkommen sind heute als Restgruppen in den Orten „Cachoeirinha“ und „Bananal“, in den Bezirken von Miranda und Aquidauana ansässig. Dort verkaufen sie am Rand der Überlandstrassen ihre Keramiken.

Die soziale Struktur der Terenas teilte sich in zwei Schichten: Naati und Waharé-Txené. Zu den Naati gehörten Fürsten und ihre Angehörigen. Die Waharé-Txené waren eher die kleinerern Leute. Eine dritte Schicht . die Kauti, stellte sich aus Personen von anderen ethnischen Gruppen zusammen. Der Begriff „Kauti“ entstammt dem portogisischem Wort Cativo (Eigenverbrauch). Jedes Dorf der Terenas hatte einen eigenen Dorfhäuptling und einen Kriegshäuptling. Letzterer wurde aus den mitgliedern der sozialen Gruppe „Xuna-Xati“ gewählt. Besaß er große militärische Fähigkeiten, stellte dies einen Mechanismus für den sozialen Aufstieg der Xuna-Xati dar. Als Ergebnis wuchs der umfang dieser Gruppe an Aktivitäten. Eine Person wurde von der Gemeinde mit dem militärischen Rang Capitao (Portugiesisch für „Kaitän“) bestimmt. Er musste sich nun auch um die internen Probleme des Dorfes kümmern. Diese Institution widerstand dem historischen und kulturellen Wandel. Heute ist es der Rat der ältesten. Die Gemeinschaft der älteren angesehenen Männer beteiligte sich an diesem Rat. Der Ältestenrat des Dorfes ist das wichtigste Organ für die Ausübung der sozialen Kontrolle der Terenas. Er hatte oft die Befugnis über Familienprobleme oder andere internen gemeinschaftliche Angelegenheiten zu entscheiden.

Vor der Einführung de Christentums orientierte sich das religiöse Leben der Terenas in Richtung Schamanismus. Nach ihrem Konzept besaßen alle Lebewesen und Pflanzen eine Seele (Hoipihapati), die nach dem Tod weiterlebt. Die Kräfte der Natur waren personifiziert und wohnten im mythisch-symbolischem Universum der Terenas. Eine der wichtigsten Mythen ist der Yurikoyuvakai. Er besagt das zwei Helden die Werkzeuge der Terenas sind. Dieser Mythos begründet sich auf die Teilung in zwei Hälften des traditionellen Volkes der Terenas. Der Schamane (Koixomuneti) bildete die Hauptfigur an Aktivitäten im Zusammenhang mit der übernatürlichen Welt. Neben der Funktion als Heiler war der Koixomuneti ein wichtiger Berater. Bei Expeditionen der Kriegsparteien konnte er oder sie zukünftige Ereignisse vorher sagen. Die Lehre zum Koixomuneti dauerte mehrere Monate. In dieser Zeit ging der Bewerber, unter der Leitung eines erfahrenen Koixomuneti, durch Phasen von Einsamkeit und Fasten. Nach einer Offenbarung in einem Traum oder durch die Auswahl durche einen Koixomuneti bei Angehörigen von ihm oder ihr, wurde eine Person im Allgemeinen zu einem Schamanen ausgebildet. Auch heute werden noch in den Dörfern schamanische Rituale von den Koixomuneti durchgeführt. Allerdings sind die traditionellen Elemente mit einigen aus dem Christentum durchzogen. Das große und feierlichste Fest der Terenas war die Oheokoti, mit Bestandteilen aus heiligen und profanen Ritualen. Diese Zeremonie fand zu Beginn der Ernte (April/ Mai) statt. Oheokoti begann mit schamanischen Ritualen. Danach ging es mit Spiel und Spaß weiter und endete dann in einem großen Fest. Eine weitere wichtige Aufgabe war das Begräbnis. Die toten wurden mit dem Kopf nach Westen begraben. Die Terenas glaubten dass der Geist sich nach dem Tod in Richtung Westen, in das „Land der Toten“, dem Chaco, ihrem alten Lebensraum bewegte. Die Koixomuneti halfen dem Geist bei seiner Reise in das Reich der Toten. Traditionell wurde dann das Haus des Verstorbenen oder der Eingangsbereich verbrannt um dem Geist eine eventuelle Rückkehr in den alten Wohnsitz zu verweigern. Zu den verschiedenen Tänzen trugen die Terenas Kostüme und benutzten besondere Farben. Die Röcke wurden aus den Federn des Rhea Vogels hergestellt. In der Mythologie spielte dieser Vogel eine wichtige Rolle. Begleitet wurden die tänzer von einem Flötenspieler und dem Klang der Trommeln. Heute wird der „Holz-Schlagen-Tanz“ (Kohixotikipahé) während des National Indian Festival vorgeführt. An diesem Tanz sind zwei Gruppen von Tänzern beteiligt.
Die Terenas bilden den größten Indianerstamm in Brasilien. Heute leben sie fast ausschließlich in den Gemeinden von Miranda und Aquidauana, im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Ausnahme bilden kleine Gruppen, die in den Dörfern im Bundesstaat Sao Paulo leben. Dort arbeiten sie auch verstreut in den Betrieben der Region unter Bedingungen der Quasi-Sklaverei, wie im frühen zwanzigsten Jahrhundert. Die Terenas gehören zu den wenigen einheimischen der brasilianischen Bevölkerung, die Bevölkerungswachstum angezeigt haben. Um 1840, als sie in brasilianisches Gebiet auswanderten, wurden etwa 3.000 Terenas gezählt. Ende der 1950er Jahren waren es bereits rund 3800 und Mitte der 80er Jahre wurden offiziell rund 12.000 Dorfbewohner notiert. Informelle Schätzungen deuten darauf hin, dass bis zu 8.000 Terenas am Rande der wichtigsten Städte im Mato Grosso do Sul leben. Bis in die 1950er hinein waren Infektionskrankheiten wie Magen-Darm-Erkrankungen, hauptsächlich unter den Kindern, und insbesondere Tuberkulose die wichtigsten Todesursachen. Heute sind Ursachen des Todes gemischt aus infektiösen Erkrankungen und große Alkohol- und Drogenprobleme. Große Probleme haben sie auch durch die Regierung. Als Attraktion werden die Terenas gerufen, um dem Publikum ihre Tänze vorzuführen. Danach werden sie wieder in ihren Aldeias (Dörfer) verfrachtet. Derart zu Schauobjekten degradiert und ihrer menschlichen Würde beraubt, sind die Suizidraten drastisch angestiegen.
An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Cremonese bedanken, der mir die Bilder zur Verfügung gestellt hat.